Humor Young Adult

Lisa Owens – Abwesenheitsnotiz

Einen meiner Favoriten unter den Neuerscheinungen im April habe ich mir direkt gekauft. Mittzwanzigerin, die ihren Job im Marketing gekündigt hat, sich jetzt in einer Orientierungsphase befindet und tagein tagaus durch London streift und Momentaufnahmen sammelt? Ich bin dabei! Mehr dazu gleich, doch so viel sei verraten: Ich wurde von Owens Debüt nicht enttäuscht.

Inhalt kurz zusammengefasst

Claire ist (vermutlich) Mitte zwanzig und lebt mit ihrem Freund, einem angehenden Neurochirurgen, in einer Eigentumswohnung. Neben dem Fakt, dass das Haus, in dem sie wohnt, von einer Buddleja befallen ist (ganz wichtig), regieren noch zahlreiche andere Sorgen ihr Leben – die größte von allen ist, welcher Job der richtige für sie sein könnte. Ihren alten im Marketingbereich hat sie nämlich gerade ohne Aussicht auf einen neuen gekündigt. „Abwesenheitsnotiz“ dokumentiert die typische Mittzwanzigerkrise, nach dem ersten oder zweiten Job den richtigen weiteren Weg für das kommende Leben zu finden. Voller Sarkasmus und enormer Beobachtungshabe lässt Owens den Leser an dieser Phase teilhaben: Keine Situation ist zu alltäglich, kein Dialog zu schade, um nicht gnadenlos ehrlich wiedergegeben zu werden und für einen Lacher nach dem anderen zu sorgen.

Wie war’s?

Wir haben es hier mit keinem hochphilosophischen Erguss zu tun, sondern mit einem 288-seitigen Selbstfindungstrip. Klingt abschreckend? Ist keinesfalls so gemeint: Ich wurde bestens unterhalten und hatte unglaublich viel Spaß mit dem Buch. Neben der eigentlichen Erzählung, in der Claire nicht nur eine neue Bestimmung sucht, sondern sich auch heftig mit ihrer Mutter streitet, ihren Freund des Betrugs bezichtigt und ihren Vater in die unfreiwillige Arbeitslosigkeit begleitet, ist der Roman gespickt von sehr kurzen Minikapiteln voller kleiner Beobachtungen und aufgeschnappter Wortfetzen, die Claire vermutlich im Laufe all der Tage, an denen sie „nichts“ macht, begegnet sind.

Ein Zitat aus dem Buch herauszusuchen, fiel mir diesmal sehr schwer, weil ich so oft und über so viele Passagen lachen musste, die oftmals wirklich absurd komisch waren. Einer meiner Favoriten ist das Kapitel über als vermisst gemeldete Personen, in welchem Claire mit ihrem Freund ausdiskutiert, dass er, sollte sie jemals verschwinden, sie bitte als „schlank“ oder „normal“ beschreiben soll, keinesfalls aber als „korpulent“. Denn das wäre der Horror. Aber das lest ihr am besten selbst.

Eine kurze Passage aus dem Buch

Yoga
„Hebt die Finger zu den Sternen“, sagt die Lehrerin, und ein stiller Wald aus Armen wächst empor und greift nach den Styropordeckenplatten.
(Lisa Owens, Abwesenheitsnotiz, S. 159)

Infos zum Buch

Abwesenheitsnotiz / Lisa Owens / Piper / 2016 / 288 Seiten / ISBN: 978-3492057479 / Preis: 18,00 Euro /

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  • Im Juli 2011 erschüttern die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya Menschen weltweit. Sella fühlt sich in besonderem Maß betroffen, da die Tochter ihrer Nachbarn zu den Todesopfern gehört. Meine Gedanken zu diesem Roman findet ihr jetzt auf dem Blog. #schonhalbelf #vatermutterkim #eivindhofstadevjemo #luftschachtverlag (Unbeauftragte/unbezahlte Werbung)
  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich
  • Wohnen ist meinen Augen eines DER Themen (nicht nur)  meiner Generation. Traurigerweise stellt sich für die meisten gar nicht mehr die Frage, wie sie wohnen möchten, sondern viel mehr, wie und wo sie überhaupt noch wohnen können. Dieser Thematik widmet sich auch Svenja Gräfen in ihrem zweiten Roman „Freiraum“. Ich freue mich, wenn ihr den Blogpost dazu lest! #freiraum #svenjagräfen #ullstein #ullsteinfünf (Unbeauftragte Werbung)
  • Man kann nicht alles mögen. Dieses Buch zum Beispiel. Ich hatte durch eine vorangegangene Empfehlung recht hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt werden konnten (Begründung gibt's auf dem Blog). Wer von euch hat es auch gelesen und wie hat es euch gefallen? #schonhalbelf #alleswasichweißüberdieliebe
  • Ein wenig habe ich mich hier ja schon mit euch über den Roman ausgetauscht und nun gibt‘s meine ausführliche Meinung auf dem Blog. 🙋🏼‍♀️ #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #schonhalbelf
  • Seite 78 von 293 und ich kann es kaum abwarten, heute Abend weiter zu lesen. Nach „Das Rauschen in unseren Köpfen“ war für mich klar, auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen zu lesen. Auch „Freiraum“ handelt von der Liebe, viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten. #freiraum #svenjagräfen #schonhalbelf #ullstein (Unbeauftragte Werbung)

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