Sehen

Tschick: Film von Fatih Akin nach dem Bestseller von Wolfgang Herrndorf

„Tschick” von Wolfgang Herrndorf las ich vor etwa drei Jahren mit großer Begeisterung – eine Geschichte voller Witz, Abenteuer und Problemen rund um das Erwachsenwerden, die verdient zum modernen Klassiker geworden ist. Dementsprechend gespannt war ich auf die Verfilmung des Romans.
Glückliche Fügung: Wenige Minuten, nachdem ich meine Kino-Highlights für den Monat September für diesen Blog getippt hatte, und zu denen natürlich auch „Tschick” gehörte, erhielt ich eine Einladung zur Pressevorstellung. Genau seit heute um 20:00 Uhr ist die Sperrfrist für Onlinemedien vorbei, sodass ihr jetzt meine Meinung über den Film lesen könnt.

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Tschick: Der Film

Maik Klingenberg (gespielt von Tristan Göbel) sieht nicht gut aus, ist unbeliebt in der Schule, wird vom schönsten Mädchen der Klasse ignoriert, hat eine alkoholabhängige Mutter und einen Vater, dessen Bauprojekt in die Hose gegangen ist.
Einige Wochen vor den Sommerferien kommt Andrej Tschichatschow (Anand Batbileg), genannt Tschick, neu in seine Klasse. Nach anfänglicher Abneigung findet Maik in ihm einen echten Freund, mit dem er in einem geklauten Lada den Roadtrip seines Lebens unternimmt.
Die Reise bringt jede Menge Begegnungen mit sich; von der Risi-Bisi-Großfamilie auf dem Lande mit seltsamen Traditionen bis zur Pulli-über-die-Schultern-Fraktion „Adel auf dem Radel” – und nicht zuletzt das Zusammentreffen mit der rätselhaften Isa.

„Tschick” trägt unverkennbar Fatih Akins Handschrift und das ist auch gut so – hätte ich ohne Vorwissen den idealen Regisseur für diesen Roman benennen sollen, wäre es sowieso er gewesen und kein anderer. Wer (u. a.) „Soulkitchen” kann, kann auch „Tschick”. Akin ist es perfekt gelungen, die Stimmung filmisch umzusetzen, die Wolfgang Herrndorf so großartig in seinem Roman erzeugt hat – mal skurril lustig, mal traurig, aber immer mit einem treibenden Beat.

Den Film zu sehen, macht vor allem eins: Spaß. Er ist laut, lustig und wild, aber gleichzeitig poetisch, nachdenklich und sensibel. In meinen Augen passen alle wesentlichen Komponenten zusammen – die Besetzung stimmt einhundertprozentig, der Regisseur hat die Stimmung des Romans verstanden, perfekt filmisch umgesetzt und der gelungene Soundtrack tut sein Übriges.

Ich kenne die Bedenken, dass der Film zum Buch die eigenen Vorstellungen zerstören könnte. Bei „Tschick” hatte ich aber schon nach dem Ansehen des Trailers keinerlei Bedenken mehr und diese Meinung hat sich auch nach dem Sehen des kompletten Films bestätigt: Daumen hoch und ab in’s Kino!

Infos zum Film

Tschick / Regie: Fatih Akin / Drehbuch: Lars Hubrich / Nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf / Filmdauer: 90 Minuten / Filmstart: 15.09.2016

4 Comments
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4 Comments

  • Jana

    Das Buch habe ich vor Kurzem erst gelesen und fand es zu Anfang wirklich komisch, aber immer mehr hat es mich mitgezogen und es hat mir sehr gut gefallen. Eigentlich möchte ich auch gerne in den Film ins Kino, aber ich glaube, der läuft bei uns schon aus (spielt nur noch nachmittags..) Dann hole ich mir wahrscheinlich den Film auf DVD 😉

    • schonhalbelf

      Hallo Jana! Ja, an den Schreibstil muss man sich erst gewöhnen, oder? Ging mir zumindest so. Schade, dass der Film bei dir nur so kurz im Kino lief! Ich wünsche dir aber trotzdem viel Spaß mit der DVD. Liebe Grüße!

  • Luise Ritter

    Ich fand auch, dass der Film das Buch schön umgesetzt hat und nah an der Literatur geblieben ist. Allerdings fand ich es eine Inszenierung vor allem für Jugendliche konzipiert. Als I-Tüpfelchen hätte ich mir an einigen Stellen noch mehr Reflektion des Gesagten im Buch gewünscht und damit auch gezielter Ältere als Zielgruppe. Aber das ist ja ( ein Glück) Geschmackssache…

    • schonhalbelf

      Hallo Luise! Ahh, du hast ihn also auch schon gesehen. 😉 Ich verstehe deinen Punkt und was du meinst, aber da es ein Jugendbuch ist, habe ich nichts anderes erwartet, als dass auch der Film hauptsächlich Jugendliche ansprechen soll. Ich habe ein Interview mit Fatih Akin gelesen, in dem er betont, dass er den Film wirklich auf Augenhöhe mit den Jugendlichen und für Jugendliche gedreht hat und nicht wollte, dass es ein Erwachsenenfilm wird, in dem gezeigt wird, wie die „Jugend von heute” so drauf ist – und das ist ihm dann schon gelungen, finde ich. 🙂

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  • GEOkompakt ist eine Zeitschrift, die ich bisher gar nicht im Blick hatte, bis @alexfluegel auf einen sehr interessanten Artikel („Warum es Eltern heute so schwer haben“) hingewiesen hat. Gesehen, besorgt und bisher nicht enttäuscht worden. Die Ausgabe ist übrigens bei Weitem nicht nur für Eltern interessant, sondern berichtet ganz losgelöst davon über neue psychologische Erkenntnisse in puncto familiäre Beziehungen und Dynamiken. (Unbeauftragte Werbung)
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