Gegenwartsliteratur

Sweetbitter von Stephanie Danler

Bevor Sweetbitter von Stephanie Danler auf Deutsch erschien, machte es bereits dank diverser Social Media Profile von Prominenten aus den USA nicht nur die Runde, sondern auch mich neugierig. Vor allem das Cover trug dazu dabei und ich bin der Meinung, dass das der deutschen Ausgabe das der englischsprachigen Originalausgabe noch deutlich übertrumpft. Doch auf den Inhalt kommt es an und darum soll es hier (wie immer) gehen.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Tess ist 22, gerade mit dem College fertig und orientierungslos, wie sie ihr weiteres Leben gestalten soll. Sie wählt die Flucht nach vorne und zieht mit großen Hoffnungen nach New York.

Dort beginnt sie, sich in einem angesagten Szene-Restaurant zur Kellnerin hochzuarbeiten und wird in die Welt der kostbaren Weine und exquisiten Speisen eingeweiht – Alkohol und Drogen in rauen Mengen mit inbegriffen.

Unter ihren Kollegen faszinieren sie besonders die ältere Simone und der attraktive Barkeeper Jake, zu denen sie eine zweifelhafte Beziehung aufbaut.

Wie war Sweetbitter?

Ich wünschte wirklich, es wäre anders, aber Sweetbitter hat mich zutiefst gelangweilt. Ich habe mich auf das Buch gefreut, hatte aber keine übersteigerten Erwartungen, die niemals hätten erfüllt werden können, ehrlich nicht. Aber in dieser Geschichte fehlte mir einfach die Handlung?

Den Anfang habe ich noch recht zügig und angetan gelesen; vor allem die kurzen Passagen, in denen verschiedene Gerichte und Geschmacksrichtungen unglaublich anschaulich beschrieben wurden, haben mir gut gefallen. Auch der Beginn der Story, in dem es darum geht, wie die verlorene Protagonistin Tess sich dazu entschließt, in New York ein neues Leben zu beginnen und in einem Szene-Restaurant ihren neuen Lebensinhalt findet, hat mich gut unterhalten. Danach ging es leider abwärts. Alle 50 Seiten dachte ich: „Ok, jetzt kommt gleich der Wendepunkt, gleich dringe ich zum Kern der Geschichte vor, gleich wird’s spannend!” – doch es passierte und passierte nichts.

Vielleicht ist etwas an mir vorübergegangen, vielleicht habe ich keine Beziehung zur Protagonistin aufbauen können, aber bis auf einige gelungene, atmosphärische Szenen ist mir nichts Positives in Erinnerung geblieben. Wenn ihr es anders seht, würde ich mich sehr über Kommentare freuen (natürlich auch, wenn ihr meiner Meinung seid). Ich frage mich wirklich, woher der Hype rührt, der um diesen Roman in den USA entstanden ist – klärt ihr mich auf?

Es tut mir immer leid, hier negative Worte über ein Buch zu verlieren (zumal zu meiner Überraschung doch mehr Autoren Rezensionen auf Buchblogs zu lesen scheinen, als ich dachte), aber ich möchte hier meine ehrliche Meinung wiedergeben und die lautet diesmal leider: Sweetbitter könnt ihr euch sparen. Wenn ihr Lust auf leckere Bilder in eurem Kopf habt, empfehle ich euch folgenden TVC von Lurpak, der ist großartig (bitte mit Ton ansehen)!

Eine kurze Passage aus dem Buch

Im Schlaf hörte ich den Regen, hörte die vorbeifahrenden Autos, wie Scheren, die Papier schneiden. Es war mein freier Tag. Außer Atem erwachte ich, meine Lunge wund von der Heizungsluft. Irgendjemand hörte bei geöffnetem Fenster Édith Piaf. Die Musik waberte durch den Regen, den klaustrophobischen Himmel entlang, dann brach sie durch mein geöffnetes Fenster und traf mich mitten in die Brust, genau so, wie die alte Édith es sich gedacht hatte. Ein anderes Leben konnte ich mir nicht vorstellen.
(Stephanie Danler, Sweetbitter, Seite 216)

Infos zum Buch

Sweetbitter / Stephanie Danler / Übersetzerin: Sabine Kray / Aufbau / 2017 / 416 Seiten / ISBN: 978-3351036720 / Preis: 21,95 Euro / Jetzt online kaufen* / Verlagsinfo /

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3 Comments
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3 Comments

  • Vanessa Mattonet

    Hallo Inga,

    eine sehr schöne und ehrliche Rezension, der ich mich in großen Teilen anschließen kann. Mir hat es hier auch deutlich an Spannung gefehlt und mit Tess wurde ich nicht richtig warm. Mir blieb ihre Figur zu wage, da haben die anschaulichen Szenen nicht drüber hinwegtrösten können.

    Liebe Grüße, Vanessa

  • Monatsrückblick Mai 2017 von schonhalbelf

    […] Verhältnismäßig lange zu knabbern (höhö) hatte ich an Sweetbitter von Stephanie Danler. Ich hatte große Erwartungen, aber meinen Geschmack hat es leider nicht […]

  • tim

    Ich stimme Dir voll und ganz zu – und amüsieren mich über die Textstelle, die Du ausgewählt hast, denn als ich sie las, dachte ich recht genervt: „Natürlich hört da in einem Buch wie diesem jemand irgendwo im unhippen Teil von Williamsburg Piaf …“

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