Ratgeber

Francine Jay – Less is More

Zunächst ein Vorwort zu „Less is More”: Blogposts, Zeitungsartikel und Bücher zum Thema Minimalismus gibt es seit einigen Monaten bis Jahren en masse – spätestens seit „Magic Cleaning” von Marie Kondo ist das Thema Aufräumen (wieder) populär geworden. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass gründliches Aufräumen und Entrümpeln meiner Meinung noch lange nichts mit wirklichem Minimalismus zu tun hat, auch wenn das Wort in diesem Kontext häufig auftaucht. Vielmehr geht es in all diesen Artikeln darum, sich von Dingen zu befreien, die man nicht regelmäßig nutzt, an denen man keine Freude hat oder die ihre Funktion nicht oder nicht gut erfüllen. Ich schreibe bewusst nicht, dass es darum geht, sich von „unnötigen” Dingen zu trennen, denn auch das ist natürlich Definitionssache – nötig ist Schmuck mit Sicherheit nicht, deswegen „darf” man ihn trotzdem besitzen und sich daran erfreuen.

Über „Magic Cleaning” habe ich viel gelesen und gesehen, es aber selbst nicht gelesen, weil es mir den Erzählungen nach dann zu spirituell angehaucht ist und ich damit nichts anfangen kann. In „Less is More” geht die Autorin Francine Jay (vermutlich) wesentlich bodenständiger an das Thema heran. Ich selbst habe mich mit den Jahren zu einem in meinen Augen sehr ordentlichen Menschen entwickelt, der gerne ausmistet und schon lange nach dem Kredo einkauft: Lieber weniger besitzen, aber dafür Dinge, die man wirklich gerne mag und lange besitzt. „Less is More” habe ich gelesen, weil ich das Thema Aufräumen und Entrümpeln an sich interessant finde und mir ein paar zusätzliche Tipps erhofft habe.

francine-jay-less-is-more-schonhalbelf-buch-kritik-inspiration-buchblog-titel-minimalismus-aufraeumen-ausmisten-kupfer-kerzenhalter-bolia-interior-copper-candle

Inhalt kurz zusammengefasst

Wie oben bereits angedeutet befasst sich Francine Jay in ihrem Buch „Less is More” mit der Problematik, dass Menschen im Laufe ihres Lebens immer mehr Dinge anhäufen, die ihnen entweder keine Freude (mehr) bereiten oder die keine Funktion (mehr) erfüllen. Daraus resultieren nicht nur Platzmangel und Unordnung, sondern auch Verpflichtungen und Kosten, die vermieden werden können.

In ihrem Ratgeber bietet sie nützliche und umsetzbare Tipps, wie man gegen die große Masse ungeliebter und unnötiger Dinge vorgeht und erläutert die Vorteile reduzierter, aber sorgfältig gewählter Besitztümer.

Nach dem einläutenden Kapitel „Philosophie des Minimalismus”, in welchem sie die Leser an das Thema heranführt, folgt das Kapitel „Rationalisierung”, im Rahmen dessen sie allgemeine Tipps und Tricks zum Thema Ordnung und Aussortieren gibt. Dem schließen sich zahlreiche Kapitel an, mit deren Hilfe man sich durch das gesamte Haus / die gesamte Wohnung (Leben würde an dieser Stelle wohl etwas pathetisch anmuten) arbeiten und Ordnung in alle Bereiche bringen kann: Schlafzimmer, Kleiderschrank, Arbeitszimmer, Küche und Esszimmer, Badezimmer, Lagerräume, sowie Geschenk-, Erinnerungs- und Erbstücke. Es folgen einige abschließende Kapitel zu den Themen Minimalismus für Familien und der übergeordneten Bedeutung von „Minimalismus”.

Wie war’s?

Ich empfand es als durchaus motivierend, auch ungeliebte Ecken und Bereiche mal wieder aufzuräumen und zu sortieren. Viele Ansätze und Tipps waren mir aber bereits vertraut und in dem Sinne nichts Neues – fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass ich mich mit dem Thema schon länger auseinandersetze und wie oben erwähnt schon viel dazu gelesen habe.

Wer Lust hat, sich mit dem Thema „richtig Aufräumen und Entrümpeln” auseinanderzusetzen oder einfach Motivation für eine große Aufräumaktion sucht, ist bei „Less is More” genau richtig.

Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich Jays Stil bzw. die Aufmachung des Buchs: Sie duzt den Leser, was mir persönlich häufig nicht so gut gefällt. Die Sprache generell ist sehr einfach gehalten; wichtige Sätze sind gefettet und werden dadurch stets besonders hervorgehoben.

Insgesamt denke ich, dass „Less is More” eine schöne Motivationshilfe mit klaren, umsetzbaren Tipps ist, die man gut in einem Rutsch lesen kann, um dann an’s Werk zu schreiten. Einige ihrer Ansichten empfand ich als zu radikal, aber welche Tipps man umsetzt und welche nicht, bleibt einem ja selbst überlassen.

Infos zum Buch

Less is More / Francine Jay / Mosaik / 2016 / 320 Seiten / ISBN: 978-3-442-39307-7 / Preis: 16,99 Euro /

3 Comments
Previous Post
14. Oktober 2016
Next Post
14. Oktober 2016

3 Comments

  • Eda Lindgren

    Seit Jahren entrümpele ich alle paar Monate meinen Kram. Effektiv fühlte sich das aber nie an. Gefühlt nach Tagen war alles wieder vollgepackt und das nervte. Deswegen lese ich mich bisschen in die Themen „Minimalismus“ und „richtig Aufräumen“ ein. „Magic Cleaning“ hab ich schon durch, hat mich aber nicht hundertprozentig überzeugt. „Less is More“ hört sich schon eher nach meinem Geschmack an. Danke für den Tipp!

    Lieben Gruß
    Eda

    • schonhalbelf

      Hallo Eda, dass nach ein paar Tagen wieder alles wie zuvor ist, bedeutet vielleicht, dass du immer noch zu viel besitzt? 😉 Berichte hier gerne mal, ob dir das Buch gefallen hat, falls du es dir gekauft hast, würde mich interessieren! Viele Grüße!

  • Miss Minimalist Francine Jay: Less is more - Rezension

    […] Rezensionen auf anderen Blogs Schon halb elf Little […]

Leave a Reply

Instagram

  • „Mit Schaf oder ohne?“ 🤪 Nina Sahm erzählt in „Tage mit Bumerang“ mit viel Bedacht Annus Geschichte, die durch eine unüberlegte Handlung ihren einzigen echten Freund verliert. Mit Humor, Optimismus und eben einer großen Portion Schaf beschreibt die Autorin, wie die Protagonistin schließlich Schritt für Schritt in ein neues Leben findet und den Weg aus der Krise meistert. Mehr dazu gibt’s wie immer auf dem Blog. #dietagemitbumerang #ninasahm #hanserverlag (Unbeauftragte Werbung)
  • GEOkompakt ist eine Zeitschrift, die ich bisher gar nicht im Blick hatte, bis @alexfluegel auf einen sehr interessanten Artikel („Warum es Eltern heute so schwer haben“) hingewiesen hat. Gesehen, besorgt und bisher nicht enttäuscht worden. Die Ausgabe ist übrigens bei Weitem nicht nur für Eltern interessant, sondern berichtet ganz losgelöst davon über neue psychologische Erkenntnisse in puncto familiäre Beziehungen und Dynamiken. (Unbeauftragte Werbung)
  • Es ist der Abend im Januar 2015, der alles verändert: Jener Samstagabend, an dem Chanel Miller ihre Schwester auf eine Verbindungsparty begleitet, die auf dem Campus der Stanford University stattfindet. Nachdem sie im Laufe der Party die Örtlichkeit verlassen hat, wird sie bewusstlos von Brock Turner, einem Studenten der Universität, vergewaltigt. Zwei zufällig vorbeikommende schwedische Männer werden Zeugen der Tat und halten Turner davon ab, zu fliehen. Doch das Schlimmste ist bereits geschehen. Mehr über Millers Geschichte findet ihr jetzt auf dem Blog. #ichhabeeinennamen #chanelmiller #chanelmillerknowmyname (Unbeauftragte Werbung)
  • In den letzten Monaten ist meine Zeit sehr knapp geworden - ich möchte mich bei allen bedanken, die mir trotzdem die Treue halten! Es kommen auch wieder andere Zeiten und ich lese nach wie vor unglaublich gerne (wenn auch weniger). Momentan übrigens „Ich habe einen Namen“ von Chanel Miller; ein Buch, durch das man nicht mal eben rauscht, sondern dessen Sätze sacken können müssen. Bis ich es beendet habe, findet ihr aktuell meinen Blogpost „Housesitter“ von Andreas Winkelmann an oberster Stelle. #schonhalbelf #ichhabeeinennamen #housesitter
  • Im Juli 2011 erschüttern die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya Menschen weltweit. Sella fühlt sich in besonderem Maß betroffen, da die Tochter ihrer Nachbarn zu den Todesopfern gehört. Meine Gedanken zu diesem Roman findet ihr jetzt auf dem Blog. #schonhalbelf #vatermutterkim #eivindhofstadevjemo #luftschachtverlag (Unbeauftragte/unbezahlte Werbung)
  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich

schonhalbelf