Gegenwartsliteratur

Kleine Feuer überall von Celeste Ng

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Mit dem Lesen von Kleine Feuer überall beuge ich mich dem Hype um die amerikanische Autorin Celeste Ng. Nachdem ihr Debüt Was ich euch nicht erzählte* im Jahr 2016 durch die Decke, aber gleichzeitig an mir vorüberging, war ich in diesem Jahr neugierig auf Kleine Feuer überall und habe es in den letzten Wochen gelesen.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Es ist schwierig, diese Geschichte in ein paar wenigen Sätzen zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Es geht um Armut und Wohlstand, um Freundschaft und Liebe, um Rebellion und Anpassung, um Neid und Großzügigkeit, um Kunst und Jura, um Adoption, unerfüllten Kinderwunsch und ungewünschte Schwangerschaften …

Ein bisschen konkreter: Zwei Familien, zwei Welten: Familie Richardson, er Anwalt, sie Journalistin, leben mit ihren vier Kindern in einem schönen Haus in Shaker Heights. Und überhaupt, eigentlich ist alles schön in Shaker Heights, oder sollte es zumindest sein.

„Alles in allem unterscheiden sich die Menschen in Shaker Heights nicht groß von den Menschen anderswo in Amerika. Sie besitzen vielleicht drei oder vier Autos statt einem oder zwei, sie haben vielleicht zwei Fernseher statt nur einen, und wenn eine junge Frau aus Shaker Heights heiratet, gibt es vielleicht einen Empfang für achthundert Gäste, zu dem die Meyer Davis Band aus New York eingeflogen wird, statt eines Hochzeitsempfangs mit hundert Gästen und einer örtlichen Band, doch sind das nur Unterschiede in der Größenordnung und nicht wirklich entscheidend.” (Celeste Ng, Kleine Feuer überall, S. 7)

Die andere Familie besteht aus der verarmten Künstlerin Mia und ihrer Tochter Pearl. Pearl knüpft in der Schule Kontakt zu den Kindern der Richardsons und platziert sich bei ihnen mehr und mehr als siebtes Familienmitglied. Zunehmend verwebt sie sich in das bestehende Familiengefüge und kommt dadurch auch ihrer eigenen Mutter wieder näher. Bis es brennt. In jedem Schlafzimmer des Hauses der Richardsons wurde ein Feuer gelegt!

Wie war Kleine Feuer überall?

In erster Linie vielschichtig und ein durchaus lesenswerter Roman!

Ich mochte die intelligent konstruierte Geschichte, die so voller Kontraste, hochaktueller Themen und Spannungsfelder ist, dass ich mich kaum für einen Lieblingsstrang entscheiden kann. In meinen Augen sind deshalb so viele von ihrem Roman begeistert, weil er so viele Anknüpfungspunkte bietet, dass vermutlich jeder Leser sich für mindestens ein bis zwei Handlungsstränge begeistern oder sich in hohem Maße mit ihnen identifizieren kann.

Besonders spannend für mich war die Story rund um einen Adoptionsfall, die Frage nach dem Sorgerecht und der, wie einem Kind von „fremden” Eltern dennoch die eigentliche Nationalität und damit verbundene Werte & Normen weitergereicht werden können.

Insgesamt für mich durchaus ein lohnens- und lobenswerter Roman, der mich aber trotz seiner Vielschichtigkeit nicht so über die Maßen begeistert hat, wie es scheinbar bei vielen anderen getan hat. Mit persönlich fehlte das gewisse Etwas, das mir hilft, mich vollkommen in eine Geschichte zu stürzen und sie am liebsten sofort noch einmal lesen zu wollen. Trotz hoch emotionaler Themen ist es mir nicht gelungen, zu einer der Figuren ein wirkliches Verhältnis aufzubauen, das es mir ermöglicht hat, aufrichtig mitzufiebern.

Klingt kritischer, als es gemeint ist, also nochmal: Definitiv ein sehr guter Roman, den ich empfehlen würde, aber kein neues Lieblingsbuch.

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Ein kurzes Zitat aus Kleine Feuer überall

Sie sah kein Sicherheitsnetz, nur einen Wald von Hochhäusern, die aufragten wie Nadeln, die sie aufzuspießen drohten. Konnte man ihr da vorwerfen, dass sie ihre Tochter auf einer sicheren Türschwelle ablegte, während sie selbst abstürzte?
(Celeste Ng, Kleine Feuer überall, S. 289)

Infos zum Buch

Kleine Feuer überall / Celeste Ng / Übersetzerin: Brigitte Jakobeit / dtv / 2015 / 384 Seiten / ISBN: 978-3-423-28156-0 / Preis: 22,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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2 Comments
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20. Juli 2018
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20. Juli 2018

2 Comments

  • Neri

    Es wird bei mir auch unbedingt Zeit für „Kleine Feuer überall“. Schöne Rezension und tolles Bild!

    neri, Leselaunen

    • schonhalbelf

      Vielen Dank! 🙂

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  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich
  • Wohnen ist meinen Augen eines DER Themen (nicht nur)  meiner Generation. Traurigerweise stellt sich für die meisten gar nicht mehr die Frage, wie sie wohnen möchten, sondern viel mehr, wie und wo sie überhaupt noch wohnen können. Dieser Thematik widmet sich auch Svenja Gräfen in ihrem zweiten Roman „Freiraum“. Ich freue mich, wenn ihr den Blogpost dazu lest! #freiraum #svenjagräfen #ullstein #ullsteinfünf (Unbeauftragte Werbung)
  • Man kann nicht alles mögen. Dieses Buch zum Beispiel. Ich hatte durch eine vorangegangene Empfehlung recht hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt werden konnten (Begründung gibt's auf dem Blog). Wer von euch hat es auch gelesen und wie hat es euch gefallen? #schonhalbelf #alleswasichweißüberdieliebe
  • Ein wenig habe ich mich hier ja schon mit euch über den Roman ausgetauscht und nun gibt‘s meine ausführliche Meinung auf dem Blog. 🙋🏼‍♀️ #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #schonhalbelf
  • Seite 78 von 293 und ich kann es kaum abwarten, heute Abend weiter zu lesen. Nach „Das Rauschen in unseren Köpfen“ war für mich klar, auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen zu lesen. Auch „Freiraum“ handelt von der Liebe, viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten. #freiraum #svenjagräfen #schonhalbelf #ullstein (Unbeauftragte Werbung)
  • Wer meinen Blog schon ein wenig länger liest, weiß, dass ich begeisterte Leserin von Joël Dickers Romanen bin. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“. Motiviert im Frühling begonnen und dann kam das Leben dazwischen. 🤷🏼‍♀️ ABER: Jetzt habe ich es beendet. Da einige von euch es sicher schon gelesen haben, würde mich sehr interessieren, wie es euch gefallen hat? Vor allem auch im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Ich sortiere gerade noch meine Gedanken. 💭 #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #krimi (Unbeauftragte Werbung)

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