Gegenwartsliteratur

Die Skrupellosen von Sadie Jones

Die Skrupellosen von Sadie Jones habe ich euch bereits in meinem Post zu den Neuerscheinungen im Mai 2021 ein wenig vorgestellt. Mittlerweile habe ich es beendet und möchte hier noch ein paar mehr Worte darüber verlieren.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Bea und Dan sind Ende zwanzig, als sie sich bei einer Ausstellung begegnen und ineinander verlieben. Sie ist als Psychologin tätig, er ist Künstler, arbeitet aber mangels finanziellem Erfolg als Immobilienmakler. Bea geht in ihrem Job auf, Dan ist das Verkaufen mittelklassiger Immobilien zuwider. Und noch mehr unterscheidet die beiden voneinander – Beas Familie ist steinreich, Dan stammt aus ärmlichen Verhältnissen.

Doch der Deal lautet: Obwohl das Geld immer gerade so reicht, führen sie ein eigenständiges Leben und nehmen keinerlei Almosen von Beas Familie an. Alles verändert sich, als das Paar eine dreimonatige Auszeit nimmt, um durch Mittel- und Südeuropa zu reisen. Geplant ist, einen kurzen Zwischenstop bei Beas Bruder Alex, dem schwarzen Schaf der Familie, in Frankreich einzulegen. Dieser betreibt dort seit kurzem ein Hotel, das – natürlich – seine Eltern für ihn gekauft haben.

Doch aus dem Kurzbesuch, dem sich auch Beas Eltern anschließen, wird nichts. Nachdem das Familienoberhaupt Griff seinen Sohn auf eine Erledigungsfahrt schickt, kehrt dieser nicht zurück in das Hotel. Aus der Sorge wird schnell Gewissheit: Alex hatte einen tödlichen Unfall, der alles verändern soll.

Wie war Die Skrupellosen?

Dieser Familienroman ist harte Kost. Es ist bei dieser Geschichte nicht leicht, eine aussagekräftige Rezension zu schreiben, ohne zu viele überraschende Wendungen vorwegzunehmen, die im Laufe des Romans zu Tage kommen. Wichtig vorab ist mir zu sagen, dass es sich – auch wenn es so anmuten könnte – nicht um einen klassischen Krimi handelt. Zwar gibt es einen Mord, vielmehr im Vordergrund stehen jedoch die Auswirkungen auf die Familie des Opfers als die Tat selbst.

Die Skrupellosen erzählt von einer sehr vermögenden Familie, die nach außen strahlt, innerlich jedoch völlig kaputt ist. Der Tod des eigenen Sohns wird von seinem Vater behandelt wie eine lästige Steuerprüfung durch das Finanzamt. Die Mutter hingegen stürzt in ein Loch der Trauer und betäubt sich mit Medikamenten. An sich ist ihr Verhalten nicht ungewöhnlich – doch für Bea, die bereits seit ihrer Kindheit weiß, dass ihre Mutter Alex missbraucht hat, kaum auszuhalten.
Mittendrin befindet sich Beas Mann Dan, der wenig Zugehörigkeit zu seiner Schwiegerfamilie spürt, aber urplötzlich stärker in den Fall involviert ist, als er je zu befürchten wagte.

Eindringlich, verstörend und mit einem feinen Gespür für menschliche Beziehungen seziert Sadie Jones eine Familie und ihre Geheimnisse. Sie thematisiert Missbrauch und Rassismus und beschreibt punktgenau, wie unterschiedlich Menschen auf Geld reagieren – sei es vorhandenes oder nicht vorhandenes.

Dieser packende Roman hat in mir definitiv das Interesse geweckt, noch mehr von Sadie Jones zu lesen!

Ein kurzes Zitat aus dem Buch

„Sie haben gesagt, es gibt nichts Schlimmeres als den Tod eines Kindes”, erklärte er. Er ergriff Beas Hand und zischte: „Ich bin so scheißwütend. Alex hat uns sein ganzes Leben lang ins Gesicht geschlagen. Und jetzt noch einmal.”
Eisern umklammerte er Beas Hand. „Du brauchst keine Schuldgefühle zu haben wegen deiner Wut”, sagte sie.
„Wieso sollte ich Schuldgefühle haben?” Er ließ ihre Hand los und stieg ein.
(Sadie Jones, Die Skrupellosen, Penguin, Seite 160)

Infos zum Buch

Sadie Jones / Die Skrupellosen / Übersetzerin: Wibke Kuhn / Penguin / 2021 / 464 Seiten / ISBN: 978-3-328-60104-3 / Preis: 22,00 Euro / Buch jetzt online bestellen* /

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