Rezensionen

Sieben Bücher und Hörbücher kurz rezensiert

Bislang habe ich jedem (Hör-)Buch, das ich gelesen bzw. gehört habe und hier vorstellen wollte, einen eigenen Blogpost gewidmet. In diesem Jahr haben sich jedoch einige Kandidaten angesammelt, für die ich es aus unterschiedlichsten Gründen nicht geschafft habe, eine Rezension zu schreiben. Um ein wenig aufzuräumen, bevor das neue Jahr beginnt, verfasse ich zumindest noch ein kurzes Stimmungsbild.

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Kurz besprochen

David Bielmann: Die Leserin

Vier Jahre ist es bereits her, dass ich Freedom Bar gelesen habe – übrigens ein Roman, den ich noch immer empfehlen würde. Letztes Jahr erreichte mich Die Leserin und es dauerte eine ganze Weile, bis ich Zeit hatte, mich damit zu befassen. Die Leserin ist ein Roman im Roman: Der reichlich uncoole Protagonist Daniel Bühlmann trifft während einer Zugfahrt auf junge Unbekannte, die ihn in seinen Bann zieht. Während eines kurzen Gesprächs erfährt er, dass sie einen Buchblog betreibt. Fortan hat Daniel nur noch ein Ziel: Lisas Aufmerksamkeit zu erregen. Nach einem erfolglosen Kontaktversuch geht er schließlich so weit, ohne jegliche Vorerfahrung ein Buch zu schreiben. Denn wie sonst könnte er besser auf dem Radar einer Buchbloggerin auftauchen?

Das Buch, das er letztlich schreibt, ist jenes, das auch ich in der Hand gehalten habe: Die Leserin. David Bielmann spielt in diesem auf amüsante und kreative Art mit seinen Lesern, erzählt die Geschichte in Form verschiedenster Genres, kommuniziert mittels direkter Ansprache mit den Lesern und liefert am Ende ein wahrlich außergewöhnliches Ergebnis. Alles in allem gefiel mir dennoch Freedom Bar besser, ich erkenne aber die Leistung, die in Die Leserin steckt, definitiv an und empfehle es wegen der sehr ungewöhnlichen und mutigen Erzählweise.

Die Leserin / David Bielmann / Riverfield / 2019 / 112 Seiten / ISBN: 978-3-9524906-6-2 / Preis: 16,90 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Helene Bockhorst: Die beste Depression der Welt

Auch Die beste Depression der Welt bekam ich als Überraschung zugeschickt und hatte zuvor weder von dem Roman noch von der Autorin gehört (die, jetzt weiß ich es, nicht nur Autorin, sondern auch Kabarettistin ist und einen unterhaltsamen Twitter Account führt).

Jedenfalls schreibt sie in Die beste Depression der Welt lakonisch und sehr sehr lustig über die 31-jährige Vera, die an Depressionen leidet, was sie selbst und ihr Umfeld jedoch weniger witzig finden. Vera möchte (aka muss, denn irgendwoher muss schließlich das Geld zum Leben kommen) einen Ratgeber darüber schreiben, wie man Depressionen erfolgreich überwinden kann. Leider steckt sie jedoch selbst so tief in einer selbigen, dass sie erstens gar nicht in der Lage dazu ist und zweitens die Frage, wie man sie denn nun überwindet, gar nicht beantworten kann. Oder um es ihren Worten zu sagen: „Ich schreibe jeden Tag eine Seite. Aber es ist jeden Tag eine Seite von einem anderen Buch. Auf diese Weise hat man nach einem Monat dreißig erste Seiten von dreißig Büchern.”

Sehr unterhaltsam (ich glaube, meine liebste Stelle war die mit der Rundmail an all ihre dann Ex-Freunde) und kurzweilig, aber nichts, aus dem man tatsächlich etwas zum Thema Depressionen mitnehmen könnte. Es gibt allenfalls einen kleinen Einblick in die Komplexität der Erkrankung (was vollkommen in Ordnung ist, es ist schließlich weder ein Ratgeber noch ein medizinisches Fachbuch), das aber dafür so erheiternd, wie es bei diesem Thema möglich ist.

Die beste Depression der Welt / Helene Bockhorst / Ullstein / 2020 / 320 Seiten / ISBN: 9783550200762 / Preis: 20,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Dale Carnegie: Sorge dich nicht, lebe! Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden

Über dieses Buch, das ich letztlich als Hörbuch gehört habe, bin ich immer mal wieder gestolpert und habe mich vom Titel angesprochen gefühlt. Er ist selbsterklärend – es handelt sich um einen Ratgeber, der verschiedenste Impulse gibt, die alle ein Ziel verfolgen: Dem Leser zu ermöglichen, sich weniger Sorgen zu machen und Gedankenspiralen zu beenden.

Ich empfand es wie so oft bei Selbsthilfebüchern: Man muss für sich filtern, mit welchen Tipps man etwas anfangen und welche man getrost vergessen kann. Einige Ideen fand ich sehr interessant, andere Stellen waren mir zu religiös angehaucht. Insgesamt aber ein nettes Hörbuch, das man gut nebenbei hören kann, um sich Strategien gegen das Sorgen- und Gedankenmachen anzueignen.

Sorge dich nicht, lebe! Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden / Dale Carnegie / Übersetzerin: Ursula Gail / Sprecher: Till Hagen und Stefan Kaminski / Argon / 2015 / 8 Stunden 15 Minuten / ASIN: B017XF6UBC / Preis: 7,40 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Arne Dahl: Vier durch vier

Band 4 der Reihe um das Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blohm, die mir bislang sehr gut gefiel. Mit Vier durch vier jedoch konnte ich mich nicht anfreunden – ich denke, es liegt einfach am Fall. Sam Berger und Molly Blohm kämpfen in diesem Teil gegen die Russenmafia und Geschichten, die sich um das Thema Mafia drehen, haben mir noch nie zugesagt. An und für sich ist auch Band 4 (wie eigentlich immer bei Arne Dahl) psychologisch raffiniert und sehr spannend konstruiert, aber ich habe mich diesmal dennoch eher aus Höflichkeit gezwungen, das Buch zu beenden. Vielleicht ist der nächste Fall (sollte es einen geben, die vier Grundrechenarten haben wir ja nun durch) wieder mehr nach meinem Geschmack?

Vier durch vier / Arne Dahl / Übersetzerin: Wibke Kuhn / Piper / 2020 / 448 Seiten / EAN: 978-3-492-05928-2 / Preis: 16,99 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Dawn O’Porter: Cows – Folge nicht der Herde

Cows erzählt vom Leben dreier unterschiedlicher junger Frauen. Da ist Tara, Single, beruflich erfolgreich und Mutter einer Tochter. Sowohl in ihrem männerdominierten Arbeitsumfeld in einer Filmproduktionsfirma als auch unter den Müttern der Schulkameradinnen ihrer Tochter ist sie eine Außenseiterin, die es niemandem so wirklich recht machen kann.

Stella ist Mitte zwanzig und hat sowohl ihre Mutter als auch ihre Zwillingsschwester an Krebs verloren. Auch sie selbst trägt das „Brustkrebsgen” in sich und wird vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt. Unglücklicherweise passt diese Diagnose auch nicht mit ihrem schier überbordenden Kinderwunsch zusammen. Für Stella ist klar: Sie muss schnellstmöglich einen Erzeuger für ihr Kind finden.

Cam ist bekennende Feministin und führt einen sehr erfolgreichen Blog, der sie zu einer vermögenden Frau gemacht hat. Sie hat sich öffentlich dazu bekannt, kinderlos bleiben zu wollen und auch Beziehungen zu Männern sind ihr eher lästig.

Die Wege der drei Frauen kreuzen sich schließlich, nachdem Tara einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat, der sie an den Rande der Verzweiflung führt.

Zwischendrin wurde mir das Hörbuch etwas zu langatmig, insgesamt war es aber ein unterhaltsamer Roman über drei Frauen, die zu sich und ihren Bedürfnissen stehen. Nicht durchweg spannend, aber angenehm ehrlich und zum Nachdenken anregend.

Cows – Folge nicht der Herde / Dawn O’Porter / Übersetzerin: Christine Strüh / Argon / 2019 / 10 Stunden 2 Minuten / ASIN: B07NG1D4Q2 / Preis: 23,23 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Jasmin Schreiber: Marianengraben

Ich hätte es gerne so gut gefunden wie in meiner Vorstellung, habe ich aber nicht. Eigentlich stimmte alles; ich habe mich für die Handlung sehr interessiert, es ist gut geschrieben und doch hat es mich trotz der intensiven Themen Trauer und Depressionen nicht berührt; ich habe das Hörbuch eher teilnahmslos ertragen. Es hat nicht sein sollen, manchmal passt es eben einfach nicht und auch das ist in Ordnung.

Worum es geht? Paulas jüngerer Bruder Tim stirbt bei einem Unfall. Paula schafft es nicht, seinen Tod zu verarbeiten und verfällt in eine tiefe Depression. Zufällig begegnet sie einem älteren Herren, der ihr viel über das Leben den Tod (unter anderem, dass es sehr wohl einen großen Unterschied zwischen „nicht leben wollen“ und „sterben wollen” gibt) und sich selbst beibringt. Ein ungewöhnlicher Roadtrip bringt die beiden näher zusammen und zu sich selbst.

Marianengraben / Jasmin Schreiber / Sprecherin: Maximiliane Häcke / Lübbe Audio / 2020 / 395 Minuten / ISBN: 978-3-7857-8078-7 / Preis: 12,06 Euro / Jetzt online kaufen* /

 

Leif Randt: Allegro Pastell

„Seltsam befremdlich und doch ganz nah an mir dran.” – dieser Gedanke schoss mir während des Hörens immer wieder durch den Kopf. So sehr mich das nihilistische Schimmernder Dunst über CobyCounty* ratlos zurückließ, so sehr nachempfinden konnte ich Allegro Pastell. Das wurde sicher durch viele biografische Parallelen begünstigt (ich kenne u. a. viele der Schauplätze persönlich etc.), mindestens genau so sehr jedoch durch Leif Randts geradezu sezierenden Blick auf meine (unsere) Generation und wie sie liebt beziehungsweise zu lieben versucht. Mal dokumentarisch, mal fast absurd romantisch, aber immer pointiert – ein Hörbuch, das mir noch lange im Gedächtnis geblieben ist und das in meinen Augen tatsächlich von niemand anderem hätte vorgelesen werden dürfen als von Leif Randt selbst.

Allegro Pastell / Leif Randt / tacheles! und Roof Music / 2020 / 6 Stunden 36 Minuten / ASIN: B08996J8GC / Preis: 13,92 Euro / Jetzt online kaufen* /

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2 Comments
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2 Comments

  • Zeilentänzerin

    Hallo Ina, vielen Dank für diese kurzen Zusammenfassungen der Bücher. „Die beste Depression der Welt“ möchte ich auch lesen!

    Zeilentänzerin

    • schonhalbelf

      Liebe Zeilentänzerin,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich immer sehr über Stimmen derjeniger, die meine Blogposts lesen. 🙂 „Die beste Depression der Welt” ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam und lustig geschrieben, ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

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