Liebe

Rezension: Robin Black – Porträt einer Ehe

Auf „Porträt einer Ehe“ bin ich während meines Streifzugs auf der Suche nach spannenden Neuerscheinungen für den Monat Mai gestoßen. Die Autorin war mir bis dato unbekannt. Die Kurzbeschreibung hat mich sofort angesprochen: Ein Künstlerpaar, das aufs Land zieht, um in der Abgeschiedenheit nicht nur seine Liebe zueinander, sondern auch seine Kreativität wieder zu finden – bis die Situation endgültig eskaliert …

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Inhalt kurz zusammengefasst

„Porträt einer Ehe“ ist ein Roman über die Kunst. Über die Kunst, eine langjährige Ehe zu führen, die Kunst des Verzeihens und nicht zuletzt über die Kunst, Kunst zu produzieren und kreativ zu bleiben.

Augusta und Owen sind ein Künstlerpaar – sie Malerin, er Schriftsteller. Um ein Leben in Abgeschiedenheit und ohne Ablenkung führen zu können, haben sie ihren ehemaligen Lebensmittelpunkt Philadelphia verlassen und sind aufs Land gezogen. Doch das Finden und Erhalten der Kreativität ist nicht das einzige Problem, mit dem die beiden zu kämpfen haben: Augusta hatte Jahre zuvor eine Affäre mit dem Vater einer ihrer Schülerinnen, die sie ihrem Mann nicht verschwiegen hat. Beide versuchen auf ihre Art, die Ehe zu retten. „Wie das Kaninchen vor der Schlange stand ich vor der unbestreitbaren Tatsache, dass wir, ungeachtet all der Kleinigkeiten, bei denen es uns irgendwie gelingt, unser Leben meist nicht unter Kontrolle haben; und ich hatte keine Ahnung, wie ich darauf reagieren sollte.“ (S. 33)

Nach einer Weile zieht in das leerstehende Nachbarhaus eine neue Mieterin ein, die das bislang so isolierte und einsame Leben von Augusta und Owen durchkreuzt. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft – zunächst von Augusta mit Skepsis betrachtet, öffnet sie sich der „Fremden“ immer mehr und vertraut ihr ihre geheimen Ängste und Gefühle an. ”Und dann, fünf Monate später, war ich diese bedauernswerte Frau, die hoffte, dass ein verheirateter Mann, der meinetwegen niemals seine Frau verlassen würde, meinetwegen seine Frau verließ. Ein Klischee. Ein Motiv aus einer Seifenoper.“ (S. 163)

Die Beziehung von Augusta und Owen wird auf eine neue Probe gestellt, als Nora, die Tochter der Nachbarin, sich für eine Weile  bei ihrer Mutter einquartiert und dafür sorgt, dass sowohl die neue Freundschaft zwischen Augusta und Alison als auch die Ehe zu ihrem Mann Owen zu eskalieren droht.

Wie war’s?

Es ist natürlich keine neue Idee, über die Themen Liebe, Betrug und Freundschaft zu schreiben, aber Robin Black zeigt, dass sie eben deswegen so beliebt sind, weil sie unerschöpfliches Potenzial zum Erzählen bieten. Ihr Roman ist ruhig – ruhig, wie das Landleben, ruhig wie die Natur, aber auch ruhig wie die Ruhe vor dem Sturm, der den Roman letztlich beendet. Durch den Prolog ist es kein überraschendes Ende, aber dennoch ein unerwartetes.

Robin Black gelingt es mit psychologischem Gespür die Emotionen der Protagonisten, insbesondere Augustas, beklemmend gut zu beschreiben: ihre fortwährenden Schuldgefühle wegen des Seitensprungs, ihre Unsicherheit in der Beziehung zu ihrem Mann, ihre Skepsis gegenüber der Nachbarin, die sich zur Freundschaft entwickelt, die tiefe Trauer über ihre früh verstorbene Mutter, die Zuneigung zur Tochter ihrer Affäre, um nur einige zu nennen. Blacks Roman ist vielschichtig, dokumentarisch und enthüllend – wie ein gutes Porträt eben.

Eine kurze Passage aus dem Buch

”In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiß man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende, begonnen hat.“
(Robin Black, Porträt einer Ehe, Seite 54)

Infos zum Buch

Porträt einer Ehe / Robin Black / Übersetzerin: Brigitte Heinrich / Luchterhand / 2016 / 320 Seiten / ISBN: 978-3630873220 / Preis: 19,99 Euro /

3 Comments
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30. Juni 2016
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3 Comments

  • Mareike

    Das Buch hatte ich heute in der Buchhandlung in der Hand – aus dem schlichten Grund, dass es genau zwischen vier Bücher gelegt worden ist, die ich alle gelesen hatte. Es scheint wirklich etwas zu sein, dass in mein Buchbeuteschema gehört 😉
    Das Cover hat für mich eher einen Thriller- /Entführungsdrama suggeriert.

    Nun schaue ich es mir doch noch einmal genauer an.

    Liebe Grüße
    Mareike

    • schonhalbelf

      Haha, na wenn das kein Zeichen ist!
      Ich gebe dir Recht, trotz der eigentlich sommerlich-heiteren Farben hat die Szene auf dem Cover definitiv etwas Bedrohliches an sich, sodass man es mit einem Thriller in Verbindung bringen könnte. Die Szenerie ist insofern nicht ganz unberechtigt, dass das Ende tatsächlich sehr dramatisch ist – mit einem Thriller oder Kriminalroman hat „Porträt einer Ehe” aber wirklich nichts zu tun. 🙂 Liebe Grüße
      Inga

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