(Auto-)Biografien Gegenwartsliteratur

Ich habe einen Namen von Chanel Miller

Die Autorin von Ich habe einen Namen, Chanel Miller, ist Anfang 20, als sie während einer Verbindungsparty auf dem Campus der renommierten Stanford University vergewaltigt wird. Ich betone ihren Namen deshalb, da sie lange Zeit „nur” unter dem Pseudonym Emily Doe bekannt war (sie veröffentlichte auf BuzzFeed einen offenen Brief über ihre Vergewaltigung, der millionenfach gelesen wurde), bevor sie im letzten Jahr mit ihrer wahren Identität in die Öffentlichkeit trat.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Es ist der Abend im Januar 2015, der alles verändert: Jener Samstagabend, an dem Chanel Miller ihre Schwester auf eine Verbindungsparty begleitet, die auf dem Campus der Stanford University stattfindet. Nachdem sie im Laufe der Party die Örtlichkeit verlassen hat, wird sie bewusstlos von Brock Turner, einem Studenten der Universität, vergewaltigt. Zwei zufällig vorbeikommende schwedische Männer werden Zeugen der Tat und halten Turner davon ab, zu fliehen. Doch das Schlimmste ist bereits geschehen.

Wieder zu Bewusstsein kommt Chanel Miller im Krankenhaus. Noch ohne realisiert zu haben, was ihr zugestoßen ist, durchläuft sie zahlreiche Untersuchungen und Beweismittelsicherungen. Was danach folgt, ist ein erbitterter Kampf um ihre Würde, Gerechtigkeit, ihre Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie darum, sich Gehör für ihre Version des Abends zu verschaffen.

Der Täter erhielt in den USA, obwohl er in drei Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde, lediglich eine dreimonatige Haftstrafe und provozierte in den USA eine öffentliche Debatte über sexuelle Belästigungen und Verbrechen an amerikanischen Universitäten.

Wie war Ich habe einen Namen?

Chanel Miller hat mit Ich habe einen Namen ein Vermächtnis der Stärke hinterlassen, das mich nachhaltig beeindruckt und berührt hat. Ihr Text brennt sich geradezu ein und besticht sowohl durch Millers mentale Stärke und Intelligenz, die aus jedem Satz sprechen als auch durch ihre enorme Beobachtungsgabe und ihr schriftstellerisches Talent.

Vor allem aber zeigt der Roman, mit welch unbändiger Stärke Chanel Miller dafür kämpft, Opfern eine Stimme zu geben – oder ihnen zumindest mehr Verständnis in der Gesellschaft zu verschaffen. Ihre Größe demonstriert sie dadurch, erbitterten Kampfgeist zu zeigen, ohne verbittert oder hasserfüllt zu sein: „So wütend ich auch war, brachte es mir nie Freude, den Schmerz anderer zu sehen.” (S. 309) Chanel Miller geht mit erhobenem Kopf statt Zeigefinger aus ihrem Kampf – oder beginnt sie ihn gerade erst?

Auch wenn Gerichtsprozesse in Deutschland anders ablaufen als in den Vereinigten Staaten, werde ich jede Berichterstattung über eine Vergewaltigung oder einen folgenden Prozess  künftig völlig anders wahrnehmen.

Ein kurzes Zitat aus dem Buch

„Ich höre mein Herz unregelmäßig wummern wie ein Tennisball im Trockner. Ich frage mich, ob ich einen Herzinfarkt bekomme. Gibt es das in meinem Alter? Ich muss mir ein Loch in die Brust stechen, um Druck abzulassen. Der Richter spricht, aber ich höre ihn bei dem lauten Gepoche nicht.”
(Chanel Miller, Ich habe einen Namen, Ullstein, Seite 280)

Infos zum Buch

Ich habe einen Namen / Chanel Miller / Übersetzer: Yasemin Dinçer, Hannes Meyer und Corinna Rodewald / Ullstein / 2019 / 480 Seiten / ISBN: 9783550200809 / Preis: 20,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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1 Comment

  • Zeilentänzerin

    Die Handlung klingt äußerst spannend, wenn auch verstörend und erinnert mich beim Lesen des Klappentextes etwas an „Nichts, was uns passiert“. Ich denke, das Buch werde ich künftig lesen.

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