Gegenwartsliteratur

Granada Grischun von Romana Ganzoni

Der Titel Granada Grischun von Romana Ganzoni ist genau so exotisch wie die Erzählungen, die dieses Buch enthält. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Frau Ganzoni Schweizerin ist, aber ihre Geschichten hallen nach wie ein Echo in den Bergen und lassen sich nach dem Lesen nicht so leicht abschütteln.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Ausnahme für Granada Grischun: Normalerweise schreibe ich an dieser Stelle immer selbst eine kurze Zusammenfassung, für ein Buch voller Kurzgeschichten ist das allerdings etwas schwierig und ich bin der Meinung, dass der Verlag das perfekt hinbekommen hat. Ich erlaube mir an dieser Stelle, die Zusammenfassung des Verlags zu zitieren:

„Ein Mädchen verliert mit sieben seinen einzigen Freund – und versinkt fortan in viel zu großen Gummistiefeln. Ein anderes wartet sehnsüchtig auf Schnee, denn seine Eltern haben ein Skigeschäft: Kein Schnee und sie sind verloren. Sommer heißt Freibad, und das gehört den Girls. Sie entdecken hier zum ersten Mal die Schönheit der Jungen. Wenn sie hingegen in der Turnstunde die stinkende Seraina quälen, überkommt sie die Lust an Gewalt.
Romana Ganzoni erzählt (…) von den Beben einer Kindheit im Engadin und den Nachbeben im Heute. Mit einer bildreichen, kraftvollen Sprache sticht sie in eine Zeit, in der die Welt am Bahnhof endet, Bäche und Kinder zusammengehören und die Menschheit sich in Katholiken und Protestanten aufteilt.
Manchmal entpuppen sich die Erzählungen auch als Hommage – an Herrn Baumann, mit dem man im Speisewagen eine Baumhütte baut. Oder an den Vater, der tanzen konnte wie ein Gott, wenn er „Öl am Hut” hatte, und noch eine Rechnung offen hat, in Granada.” (Quelle)

Wie war Granada Grischun?

Wer Granada Grischun liest, begibt sich auf mehrere Reisen – eine Reise in die Schweiz, eine Reise in ganz unterschiedlich verlaufende Kindheiten, vor allem aber auf eine sprachliche Entdeckungstour, für die man manchmal fast einen Reiseleiter benötigt.

Genau genommen ist Granada Grischun nämlich nicht irgendeine Reise, sondern ein Abenteuertrip, der nicht an allen Stellen etwas für Zartbesaitete ist. Wer dieses Buch liest, muss Freude an ungewöhnlichen Gedanken und eigenwilligen Charakteren haben, die so verschroben sind, dass sie den Leser fast rühren.

„Anna hatte deshalb den toten Spatz mit den glänzenden Augen, den der Schnee vor ein paar Wochen hinter der Garage freigegeben hatte, in Aufolie eingewickelt und in die Tiefkühltruhe im Keller gelegt, gleich neben die Raketenglaces.” (Romana Ganzoni, Granada Grischun, Seite 11 f.)

Romana Ganzoni liefert mit ihrer ersten Buchveröffentlichung sehr feinfühlige, ungewöhnliche und vor allem sprachlich kreative Kurzgeschichten, die sich zu lesen lohnen.Einzig und alleine die zwei Kapitel, in denen die gesamte Geschichte aus einem einzigen, eineinhalbseitigen (oder länger) bestehenden Satz haben mir nicht zugesagt, aber das ist schlicht und einfach Geschmacksache.

Eine kurze Passage aus dem Buch

Wahrscheinlich betreibt ihr zweites Ich, das nicht immer zu Hause ist, das gerne vagabundiert, noch einige Fabriken und Redereien. In der Freizeit fährt dieses Ich zur See, es entdeckt in dieser Minute gerade ein paar neue Insektenarten, unter anderem den silbernen Xristinafalter mit den blauen Fühlern und eine kleine behaarte Spinne, die noch kein Auge erblickt hat, sie nennt die Spinne Dragan, denn die Spinne wirkt gefährlich und erinnert sie an einen Chauffeur, der nach Dübendorf fährt, wenn man ihn dafür bezahlt, und für ein Trinkgeld gleich noch den Nachbarn umbringt.
(Romana Ganzoni, Granada Grischun, Seite 26 f.)

Infos zum Buch

Granada Grischun / Romana Ganzoni / Rotpunktverlag / 2017 / 200 Seiten / ISBN: 978-3-85869-739-4 / Preis: 26,00 Euro / Jetzt online kaufen* / Verlagsinfo /

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2 Comments
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2 Comments

  • Romana Ganzoni

    Herzlichen Dank, liebe Inga, für die Rezension von „Granada Grischun“ (und für das gelungene Foto), die (und das) mir Google beim Herumstreunen präsentiert hat. Wie schön! Freue mich sehr über die Sicht der Hamburgerin. Heitere Grüsse aus dem verschneiten Hochtal, Ihre Romana Ganzoni, Schweiz

    • schonhalbelf

      Hallo Frau Ganzoni,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich hoffe, ich konnte „Granada Grischun” mit meinem Blogpost ein wenig mehr Aufmerksamkeit verschaffen.
      Viele Grüße in die Schweiz
      Inga

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„Zumindest wir gegen deine Mutter. Der Rest der Welt hat mit Freude oder völligem Desinteresse reagiert.”
(Nick Hornby, Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst, Kiepenheuer & Witsch) 
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  • Wenn aus einem Versehen Tradition wird. ✌🏻 Danke! #postkartenliebe #postkarten #postkarte

schonhalbelf