Belletristik

Gespenster von Dolly Alderton

Auf Gespenster von Dolly Alderton war ich so gespannt, dass ich im letzten Jahr überlegt habe, es auf Englisch „vorab” zu lesen – letztlich habe ich mich aber doch bis zur deutschsprachigen Ausgabe geduldet und mir damit den Februar versüßt.

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Inhalt kurz zusammengefasst

In Gespenster begleiten wir die Protagonistin Nina George Dean von ihrem zweiunddreißigsten bis zu ihrem dreiunddreißigsten Geburtstag durch ein emotional turbulentes Lebensjahr.

Nina ist mit Hilfe einer Dating-App auf der Suche nach der Liebe. Zügig lernt sie dort Max kennen, der in beeindruckendem Tempo vorprescht und von einer gemeinsamen Zukunft spricht – viel schneller, als es Nina lieb ist. Doch genauso zügig verschwindet er vom einen auf den anderen Tag wieder aus ihrem Leben und „ghostet” sie.
Unterdessen plant Ninas Ex-Freund Joe seine Hochzeit, ihre beste Freundin kündigt die zweite Schwangerschaft an und auch Ninas Single-Verbündete Lola scheint nach zehn Jahren Suche den Mann für’s Leben gefunden zu haben.

Während in Ninas Freundeskreis Grundsteine für die Zukunft gelegt werden, entwickelt sich ihr eigener Vater zurück und wird wieder zum Kind: Er hat vor einiger Zeit die Diagnose Demenz erhalten und Nina muss zusehen, wie er Stück für Stück sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit verliert.

Wie war Gespenster von Dolly Alderton?

Gespenster von Dolly Alderton in zwei Worten? Herrlich ehrlich!

Dolly Alderton schafft es (wie auch in Alles, was ich weiß über die Liebe*) schnörkellos und ungeschönt über Beziehungen in all ihren Facetten zu schreiben – allen voran natürlich die Liebe. Wer die Inhaltsangabe liest, mag vielleicht denken, er kenne bereits jetzt den Ausgang des Romans. Nein, kennt ihr nicht! Sie findet in Max nicht ihre neue Liebe. Sie wünscht sich auch nicht ihren Ex-Freund zurück. Er wird seine „neue” Freundin heiraten und das ist für Nina völlig in Ordnung. Über solche Geschichten gibt es bereits genügend Bücher, aber dieses hier gehört nicht dazu.

Dolly Aldertons Protagonistin mag eine Romantikerin sein, ist jedoch nicht verblendet, sondern steht für sich ein. Sie ist zwar voller Hoffnung, der wahren Liebe zu begegnen, jedoch gleichzeitig kein Hascherl, das sich von den Männern in ihrem Leben – ob nun ihrem Date oder ihrem verhaltensauffälligen Nachbarn – auf der Nase herumtanzen lässt.

Mit Pragmatismus und Humor versucht sie, das Beste aus den sich ständig wandelnden Beziehungen ihres Lebens zu machen. Sie muss erkennen, dass Freundschaften manchmal nur deshalb noch existieren, weil sie von einem Fundament aus Erinnerungen getragen werden – und dass es letztlich genau dieses Fundament ist, das alte Freundschaften nahezu immer stärker macht als frisch geschlossene. Sie lernt, dass sie Bindungsprobleme von Männern nicht lösen kann und vor allem nicht muss. Und wie es ist, plötzlich für die Eltern verantwortlich zu sein und die Rolle des Kindes abgeben zu müssen.

Ich mochte den Roman sehr (zugegebenermaßen viel mehr als Alles, was ich weiß über die Liebe) und würde behaupten, fast jeder zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig kann sich sehr gut mit der Protagonistin und ihren Freunden identifizieren. Dolly Alderton beweist mit Gespenster, dass sie des Schreibens auch in Romanform mächtig ist: Entstanden ist eine sehr authentische, humorvolle, aber genauso einfühlsame Geschichte, der es weder an Unterhaltung noch an Tiefe fehlt.

Ein kurzes Zitat aus dem Buch

„Wir setzten uns brav in einem Halbkreis um Lucy, die es anscheinend kein bisschen peinlich fand, Modell zu sitzen und von vierundzwanzig Frauen angestarrt zu werden. Kein anderer Auswuchs von Narzissmus war gesellschaftlich so akzeptiert, wie bei einem Junggesellinnenabschied die Braut zu sein.”
(Dolly Alderton, Gespenster, Atlantik, Seite 201)

Infos zum Buch

Gespenster / Dolly Alderton / Atlantik / 02.02.2021 / 352 Seiten / ISBN: 978-3-455-01109-8 / Preis: 22,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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