Rezensionen

Thomas Glavinic – Das größere Wunder

Inhalt kurz zusammengefasst

Jonas, der Protagonist, befindet sich auf einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest. Im spannenden Wechsel werden sein qualvoller Aufstieg und der Verlauf seiner Kindheit und Jugend erzählt – beide Themen haben es in sich.

Wie war’s?

Auch wenn man meinen könnte, dass die Besteigung des Mount Everest tendenziell der spannendere Part des Romans ist, war ich von Jonas‘ Kindheit und Jugend noch viel mehr fasziniert. In der eigenen Familie verwahrlost wachsen er und sein behinderter Bruder Mike in der überdurchschnittlich wohlhabenden Familie von Jonas‘ bestem Freund auf. Jonas durchlebt tragische Verluste, erfährt wahre Freundschaft und die große Liebe. Und er reist und reist und reist.
Die Kapitel zur Kindheit und Jugend haben mich teilweise sehr an „Die Mitte der Welt“ erinnert, welches noch immer zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Damit meine ich natürlich nicht, dass sich die Handlungen ähneln, sondern die Fähigkeit der Autoren, eine ganz bestimmte Atmosphäre (oder nennen wir es besser Magie) in ihren Erzählungen zu erzeugen.
Ich werde definitiv auch alle anderen Bücher von Thomas Glavinic lesen und wage schon jetzt zu behaupten, dass „Das größere Wunder“ eines der besten Bücher ist, die ich 2015 gelesen haben werde.

Eine kurze Passage aus dem Buch

Es war, als müsste er nicht mehr atmen, um zu leben. Kein Gedanke störte seine Seligkeit, keine Erinnerung suchte ihn heim, er vermisste nichts und niemanden. Links und rechts der Straße flogen Bäume und Sträucher an ihm vorbei, und er war wie neu. Ewig stürzen. Das ist das Glück.

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