Gegenwartsliteratur Liebe

Freiraum von Svenja Gräfen

Svenja Gräfens zweiter Roman Freiraum handelt genau wie Das Rauschen in unseren Köpfen von der Liebe – viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Maren und Veja wünschen sich ein Baby – es in der anonymen Großstadt in einer verschimmelten kleinen Wohnung, deren Miete kontinuierlich steigt, aufzuziehen, ist für die beiden jedoch keine Option. Durch Marens Schwester Jo stoßen sie auf ein Wohnkollektiv: Menschen verschiedener Altersstufen und noch unterschiedlicheren Charakters leben in einem Haus mit Garten und Talblick zusammen. Zusammen, das ist ganz wichtig, und nicht nebeneinander her.

Für das junge Paar steht schnell fest, dass es die Wohnung in der Stadt kündigen wird, um Teil dieser Gemeinschaft am Stadtrand zu werden und den Strukturen des Stadtlebens zu entfliehen. Doch bereits nach kurzer Zeit spürt Veja, dass das, was zunächst wie das Paradies wirkte, ein ganz eigener Mikrokosmos ist, in dem Wahrheiten verschwiegen werden und wie dunkle Wolken über den Bewohnern schweben.

Wird dies tatsächlich der Ort, an dem Maren und Veja glücklich werden und ihre Träume verwirklichen können?

Wie war Freiraum?

Wisst ihr, was ich an Svenja Gräfens Romanen mag? Es braucht keine Eingewöhnungsphase. Ich fange einfach an zu lesen und nach zwei Seiten bin ich in die Geschichte eingetaucht, obwohl ich noch niemanden kenne und keine Ahnung habe, in welche Richtung sich alles entwickeln wird. So war es bereits in Das Rauschen in unseren Köpfen und auch diesmal ging es mir wieder so. Erst ein kurzes Kennenlernen und schon habe ich mich heimisch gefühlt.

In Freiraum legt Svenja Gräfen den inhaltlichen Fokus neben der Liebesgeschichte zwischen Maren und Veja auf eines der Probleme meiner Generation: das des Wohnens. Für die meisten von uns stellt sich gar nicht mehr die Frage, wie und wo wir leben möchten, sondern viel mehr, wo wir es uns irgendwie noch leisten können. Ich sehe in meinem eigenen Freundes- und Kollegenkreis zuhauf, wie Menschen entweder aus ihren bisherigen Wohnungen verdrängt werden oder wie sie im Gegensatz dazu in ihren jetzigen Wohnungen „gefangen” sind, obwohl sie nicht mehr zur jetzigen Lebenssituation passen – ein Umzug würde jedoch bedeuten, das bisherige soziale Umfeld verlassen zu müssen (wenn man denn überhaupt eine neue Bleibe findet). Aufgrund dieser Erfahrungen hat mich Freiraum im besonderen Maße gepackt.

Svenja Gräfen hat einen überzeugenden Roman abgeliefert, der nachdenklich stimmt und mich auch über das Lesen hinaus noch länger beschäftigt hat. Sie hat die Gabe, zu 100 % authentische Figuren zu erschaffen, deren Gedanken und Worte an keiner Stelle zu weit hergeholt oder unlogisch wirken. Das Ende hat mich für meinen Geschmack mit zu vielen Fragezeichen zurückgelassen, weil ich Romane am liebsten mit dem Wissen abschließe, wie es für „meine” Protagonisten ausgegangen ist bzw. weitergeht. Das soll Freiraum aber keinen Abbruch tun, sondern ist meine persönliche Präferenz.

Ein kurzes Zitat aus dem Buch

„Theo nickt langsam. Bestätigend. Das ist alles kaputt, sagt er. Wohnen darf ja wohl keine Glückssache sein. Ist es aber inzwischen geworden.”
(Svenja Gräfen, Freiraum, Ullstein fünf, Seite 11)

Infos zum Buch

Freiraum / Svenja Gräfen / Ullstein fünf / 2019 / 304 Seiten / ISBN: 13 9783961010370 / Preis: 20,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich
  • Wohnen ist meinen Augen eines DER Themen (nicht nur)  meiner Generation. Traurigerweise stellt sich für die meisten gar nicht mehr die Frage, wie sie wohnen möchten, sondern viel mehr, wie und wo sie überhaupt noch wohnen können. Dieser Thematik widmet sich auch Svenja Gräfen in ihrem zweiten Roman „Freiraum“. Ich freue mich, wenn ihr den Blogpost dazu lest! #freiraum #svenjagräfen #ullstein #ullsteinfünf (Unbeauftragte Werbung)
  • Man kann nicht alles mögen. Dieses Buch zum Beispiel. Ich hatte durch eine vorangegangene Empfehlung recht hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt werden konnten (Begründung gibt's auf dem Blog). Wer von euch hat es auch gelesen und wie hat es euch gefallen? #schonhalbelf #alleswasichweißüberdieliebe
  • Ein wenig habe ich mich hier ja schon mit euch über den Roman ausgetauscht und nun gibt‘s meine ausführliche Meinung auf dem Blog. 🙋🏼‍♀️ #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #schonhalbelf
  • Seite 78 von 293 und ich kann es kaum abwarten, heute Abend weiter zu lesen. Nach „Das Rauschen in unseren Köpfen“ war für mich klar, auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen zu lesen. Auch „Freiraum“ handelt von der Liebe, viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten. #freiraum #svenjagräfen #schonhalbelf #ullstein (Unbeauftragte Werbung)
  • Wer meinen Blog schon ein wenig länger liest, weiß, dass ich begeisterte Leserin von Joël Dickers Romanen bin. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“. Motiviert im Frühling begonnen und dann kam das Leben dazwischen. 🤷🏼‍♀️ ABER: Jetzt habe ich es beendet. Da einige von euch es sicher schon gelesen haben, würde mich sehr interessieren, wie es euch gefallen hat? Vor allem auch im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Ich sortiere gerade noch meine Gedanken. 💭 #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #krimi (Unbeauftragte Werbung)

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