Gegenwartsliteratur

Rezension: Fabian Hischmann – Das Umgehen der Orte

„Das Umgehen der Orte” ist für mich das erste Buch von Fabian Hischmann – dafür hat es mich auf der Suche nach Neuerscheinungen aber umso mehr angesprochen. Ich hatte keine großen Erwartungen, wusste bisher noch nichts über den jungen Autor, sondern war einfach neugierig.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Lisa muss den Selbstmord ihres Vaters überwinden. Außerdem hat sie eine besondere Eigenschaft: Sie friert nicht. Im Sommer hält sie sich am liebsten im Eisstadion auf, später träumt sie von Island. Eines Tages zieht Anne in Lisas Nachbarhaus und wird ihr zur Freundin.

Sie sind die beiden Figuren, mit denen der Roman beginnt – im Verlaufe der Geschichte entspringen jedoch noch zahlreiche weitere Figuren der Handlung und geben sich von Kapitel zu Kapitel die Klinke in die Hand, bis am Ende alle Personen irgendwie miteinander verknüpft und verbunden sind; einige enger, andere loser.

Sie sind grundverschieden und strahlen doch alle eine geheimnisvolle eigenartige Stimmung aus. Alles und jeder in ihrer Welt wirkt zerbrechlich, nichts bleibt, wie es ist, nichts wird, wie man es erwartet.

„Das Umgehen der Orte” ist ein magischer Roman über Freundschaft und Enttäuschung, über Abgründe und Gipfel, über Unbesiegbarkeit und Verzweiflung.

Wie war’s?

Berührend, packend und dabei voller Sogwirkung, kreativer Sprache, nüchternem Witz und Behutsamkeit. Hischmann schafft es ab Kapitel 1, eine ganz besondere Stimmung zu erzeugen, die sich irgendwo zwischen Die Mitte der Welt (genauso behutsam und bezaubernd), Das größere Wunder (voller Aufbruchsstimmung) und Die Frühreifen (genauso verstörend) bewegt.

Der Roman lebt von ehrlichen, nahbaren Charakteren und deren Problemen, in denen sich wohl der ein oder andere wieder findet. Mal mehr, mal weniger, aber zumindest so, dass man mit den Figuren fühlt. Besonderer Pluspunkt: Der leise und trockene Humor, der stets an unerwarteten Stellen eingestreut wird und sich dadurch umso besser entfaltet. Kleiner Minuspunkt: Ich fand manche Stellen unnötig vulgär, deren Weglassen dem Roman keinen Abbruch getan hätten.

Alles in allem ist „Das Umgehen der Orte” ein sprachliches Abenteuer, das sich zu lesen definitiv lohnt.

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Eine kurze Passage aus dem Buch

Am anderen Gleisende wartet ein Mädchen in Gummistiefeln und Regenjacke auf ihn. Sie hält eine Pappe mit seinem Namen hoch. Er könnte hingehen und sagen: „Du willst nach Niklas? Überleg dir das gut. Ich komme gerade von dort und zuletzt sah es ziemlich düster aus.”
Tatsächlich sagt er: „Das bin dann wohl ich.”
(Fabian Hischmann, Das Umgehen der Orte, Seite 57)

Infos zum Buch

Das Umgehen der Orte / Fabian Hischmann / Berlin / 2017 / 208 Seiten / ISBN: 978-3-8270-1292-0 / Preis: 18,00 Euro /

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„Ha, ha.” Tom klingt nicht wirklich belustigt.
„Kennst du meine Mutter? Nein, natürlich nicht. Aber das Entscheidende ist: Ich habe „Scheiß drauf.” gesagt und dich trotzdem geheiratet. Wir gegen den Rest der Welt.”
„Zumindest wir gegen deine Mutter. Der Rest der Welt hat mit Freude oder völligem Desinteresse reagiert.”
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