Spannung

Einer wird sterben von Wiebke Lorenz

Es war ein Zeitungsartikel, der Wiebke Lorenz zu Einer wird sterben inspiriert hat: In ihm wurde von einem Paar berichtet, das neun Tage lang in einem geparkten Auto in einer Wohnstraße saß und es außer für gelegentliche Toilettenpausen nicht verließ. Die Anwohner reagierten irritiert bis verängstigt, doch das Paar betonte auf Nachfrage nur immer wieder, es ginge niemanden etwas an, warum sie so lange in der Straße parkten und sich nicht aus dem Auto bewegten.

Mich selbst erinnert diese Idee übrigens an Hinter den drei Kiefern von Louise Penny, in dem es um ein ähnliches Phänomen geht, das jedoch historisch begründet ist.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Die ehemalige Grundschullehrerin Stella Johannsen führt auf den ersten Blick ein privilegiertes Leben. Ihr Mann arbeitet als Pilot, sie leben in einer schönen Villa und Geld ist so reichlich vorhanden, dass es erst gar kein Thema ist. Doch nichts ist, wie es zunächst scheint: Stella hat ihren Job nicht einfach so aufgegeben, sondern sah sich nach einem verheerenden Autounfall vor einigen Jahren dazu gezwungen – ihr Gesicht ist durch eine große Narbe entstellt und jagte ihren Schülern zu große Angst ein, um dem Job weiter nachzugehen.
Ihr Mann Paul ist berufsbedingt viel unterwegs, daher fristet sie ein recht einsames Dasein und fühlt sich häufig wie im goldenen Käfig gefangen.
Von den Nachbarn wird sie als pietätlose Leichenfledderin angesehen, da die Beziehung zu ihrem Mann nahtlos nach dem Tod dessen ehemaliger Partnerin begann.
Und dann sind da noch die wiederkehrenden Schuldgefühle wegen des Autounfalls, bei dem ein Mensch zu Tode kam …

Doch all das ist nichts gegen den Horror, der noch auf Stella wartet: Während Paul dienstlich unterwegs ist, gehen in der Blumenstraße merkwürdige Dinge vor sich. Alles beginnt mit einem Paar, das sein Auto gegenüber von Stellas Haus parkt und sich für Tage nicht vom Fleck bewegt. Je mehr Zeit verstreicht, umso nervöser wird sie – was weiß das Paar über das düstere Geheimnis ihrer Vergangenheit? Ist es überhaupt wegen ihr da? Was hat es mit den unheimlichen Vorfällen innerhalb ihres Hauses auf sich? Welche Rolle spielt ihre Haushaltshilfe?

Tag für Tag spitzt sich die Lage mehr zu, bis sie völlig zu eskalieren droht – und Stella endgültig am Abgrund des Wahnsinns balanciert.

Wie war Einer wird sterben?

Vorweg: Für mich war Einer wird sterben das erste Buch, das ich von Wiebke Lorenz gelesen habe, daher kann ich an dieser Stelle keinen Vergleich zu vorangegangenen Krimis und Thriller der Autorin ziehen.

Der Einstieg fiel mir jedoch durchaus leicht. Lorenz‘ Sprache ist präzise und unaufgeregt, ihre Beschreibungen beschränken sich auf das Nötigste. Unnötige Ausschmückungen gibt es nicht, Satz für Satz sitzt und die Autorin kommt stets sofort auf den Punkt. Die Protagonistin weckte keine unbändige Sympathien in mir, ich fühlte mich ihr jedoch trotzdem recht schnell verbunden, konnte ihr Unbehagen nachvollziehen und mich somit ordentlich gruseln.

Gekonnt und sehr schnell baut Wiebke Lorenz eine diffuse Spannung auf und schafft es, den Leser das ein oder andere Mal an der Nase herumzuführen – nicht nur das Paar im Auto, sondern auch Ehemann Paul und der Autounfall vor einigen Jahren geben dem Leser zunehmend Rätsel auf.

Das Ende war für meinen Geschmack ein wenig zu konstruiert und ich hatte im Nachhinein das Gefühl, dass meine Motivation im letzten Drittel des Buchs ein wenig nachgelassen hat – vielleicht hätten es auch 50 bis 100 Seiten weniger getan? Alles in allem habe ich Einer wird sterben aber gerne gelesen, mich gut unterhalten gefühlt und bin durchaus nicht abgeneigt, in Wiebke Lorenz‘ vorhandenem Fundus zu stöbern und weitere Thriller der Autorin zu lesen.

Ein kurzes Zitat aus dem Buch

„Verstanden hätte sie es trotzdem nicht. Verstanden, weshalb in ihrer Straße seit morgens um neun, als sie das erste Mal aus dem Fenster geschaut und das Fahrzeug bemerkt hatte, bis jetzt um halb drei am Nachmittag ein schwarzes Cabrio stand, dessen Insassen sich kaum rührten.”
(Wiebke Lorenz, Einer wird sterben, Fischer Scherz Verlag, Seite 9)

Infos zum Buch

Einer wird sterben / Wiebke Lorenz / Fischer Scherz Verlag / 2019 / 352 Seiten / ISBN: 978-3651025417 / Preis: 14,99 Euro / Jetzt online kaufen* /

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  • Wer meinen Blog schon ein wenig länger liest, weiß, dass ich begeisterte Leserin von Joël Dickers Romanen bin. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“. Motiviert im Frühling begonnen und dann kam das Leben dazwischen. 🤷🏼‍♀️ ABER: Jetzt habe ich es beendet. Da einige von euch es sicher schon gelesen haben, würde mich sehr interessieren, wie es euch gefallen hat? Vor allem auch im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Ich sortiere gerade noch meine Gedanken. 💭 #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #krimi (Unbeauftragte Werbung)
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