Jugendbuch Young Adult

Der gefährlichste Ort der Welt von Lindsey Lee Johnson

Der gefährlichste Ort der Welt von Lindsey Lee Johnson hat es direkt auf meine Wunschliste geschafft, nachdem ich es entdeckt habe. Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten: Es ist in meinen Augen sehr passend für all jene, die sich für So wüst und schön sah ich noch keinen Tag  von Elizabeth LaBan und Tote Mädchen lügen nicht* von Jay Asher erwärmen konnten.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Tristan Bloch ist nach Definition der anderen Jugendlichen uncool und unbeliebt – dabei ist er eigentlich eher eins: sehr mutig. Er traut sich, trotz geringer Hoffnung auf einen guten Ausgang, seiner Auserwählten Cally einen Liebesbrief zu schreiben. Die jedoch wertet Tristans Annäherungsversuch als Offerte an ihre Person und vor allem ihr Ansehen an der Schule. Mehr unüberlegt als durchdacht zeigt sie den Brief ihrem Freund Ryan. Es kommt, wie es (heutzutage) kommen muss: Tristans Liebesbrief an Cally wird auf Facebook veröffentlicht und sein Verfasser zum Gespött der gesamten Schule. Wenige Tage später steigt er früh morgens auf sein Fahrrad, radelt zur Golden Gate Bridge und stürzt sich in die Fluten, um den Demütigungen ein Ende zu setzen.

Zeitsprung, fünf Jahre sind seit Tristans Suizid vergangen. Der Roman setzt nun Kapitel für Kapitel am Leben eines anderen Schülers der Highschool an und beschreibt, wie jeder einzelne auf seinen ganz eigenen Abgrund zugesteuert ist. Da ist das Mädchen, das einen Autounfall nur knapp überlebte. Der Junge, der einfach nichts auf die Reihe bekommt. Und der, der einen anderen zu seinem SAT (Scholastic Assessment Test) schickt, um irgendwie eine Chance zu haben, an der Berkeley angenommen zu werden. Und all das im malerischen Mill Valley. Ausgerechnet.

Wie war Der gefährlichste Ort der Welt?

Ich mochte es! Den Anfang und die Geschichte rund um Tristan fand ich in Ordnung, berührend, aber auch traurigerweise nicht besonders schockierend nach Tote Mädchen lügen nicht und diversen Fällen, die sich leider in der Realität abgespielt haben. Bis dieser Erzählstrang vorbei war, war ich mir noch ein wenig unsicher, was danach noch passieren soll und wie der Roman an Fahrt aufnehmen könnte.

Aber ein bisschen Durchhalten lohnt sich! Nach und nach geben sich die ganz individuellen Abgründe Tristans Mitschüler die Klinke in die Hand, Seite für Seite werden die gut gehüteten Geheimnisse jedes einzelnen gelüftet und dem Leser vor die Füße geschmissen.

Nichts ist, wie es von außen scheint, und das ist wohl auch das „Beruhigende” und Spannende an Der gefährlichste Ort der Welt: Es zeigt, dass jeder, egal, wie perfekt sein Leben von außen scheint, von Zeit zu Zeit und mal mehr, mal weniger, mit seinem Leben und sich zu kämpfen hat. Nun, auch das ist nichts Neues, dennoch gelingt es Lindsey Lee Johnson, die gesamten 300 Seiten über ein Drama nach dem nächsten zu enthüllen und sorgfältige Porträts der typischen Highschool-Jugendlichen zu zeichnen, die zuerst den gängigen Klischees entsprechen, bei näherem Hinsehen aber weit mehr Probleme bekämpfen müssen, als man zunächst annimmt.

Definitiv lohnenswert für alle, die gerne hinter die Fassade blicken und wissen, dass hinter jedem Mensch eine Geschichte steckt, die es lohnt, zu entdecken.

Zitat aus Der gefährlichste Ort der Welt

Sie konnten nicht vergessen, dass diese Welt für sie geschaffen war, dass sie in dieses perfekte Nest hineingeboren worden waren, und trotzdem hatten sie darauf bestanden, unglücklich zu sein. Hatten auf dem Dunkel beharrt.

(Lindsey Lee Johnson, Der gefährlichste Ort der Welt, Seite 295)

Infos zum Buch

Der gefährlichste Ort der Welt / Lindsey Lee Johnson / Übersetzerin: Kathrin Razum / dtv / 2017 / 304 Seiten / ISBN: 978-3423281331 / Preis: 21,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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1 Comment
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21. Januar 2018
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  • Neri

    Steht auf meiner Wunschliste. Danke für die Rezi!

    Neri, Leselaunen

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