Rezensionen

Das Leben der Wünsche von Thomas Glavinic

„Das Leben der Wünsche“ bekam ich zu meinem letzten Geburtstag von meinem Bruder geschenkt. Auf Thomas Glavinic war ich dank meiner Freundin M. aufmerksam geworden. Nachdem ich vor einigen Monaten auf dem Fahrrad sitzend mit einer Autotür kollidiert bin und einige Zeit krankgeschrieben war, schickte sie mir ein Buchpaket, das ihre fünf damaligen Lieblingsbücher enthielt. Thomas Glavinics „Das größere Wunder“ war eins davon und hat mich neugierig auf weitere Werke von ihm gemacht.

Das Leben der Wünsche von Thomas Glavinic

Inhalt kurz zusammengefasst

Jonas (Werbetexter, Ehemann, Familienvater und Fremdgänger) wird in der Mittagspause von einem Fremden angesprochen. Er bietet Jonas an, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Nach einiger Überzeugungskunst willigt er ein, misst der Begegnung aber keine allzu große Bedeutung bei – bis sein kleinwüchsiger Sohn einen unerklärlichen Wachstumsschub erfährt, seine Aktien sich urplötzlich zu einer äußerst lukrativen Investition entwickeln und seine Frau tot in der Badewanne liegt.

Wie war’s?

Ich wünsche (haha) mir sehr, es hätte mir so gut gefallen wie „Das größere Wunder“! Die Idee bzw. Fragestellung, ob Wünschen Taten folgen, ist eine spannende. Die Verselbstständigung Jonas‘ Wünsche ebenfalls. Über die sehr gute Beobachtungsgabe und die Sprache Glavinics müssen wir sowieso nicht sprechen und auch nicht schreiben. Dennoch hat mich der Roman für meinen Geschmack zu oft mit Fragezeichen zurückgelassen. Mit Passagen, die für mich unvollständig waren. Ich hatte das Gefühl, ständig auf Distanz gehalten zu werden. Ich bin keine Literaturkritikerin und habe nicht den Anspruch, eine zu sein – aber ich kann beurteilen, ob ich eine Beziehung zu einem Text aufbauen kann und er eine Stimmung bei mir erzeugt, dank der ich mich mit dem Buch verbunden fühle. „Das größere Wunder“ hat das leider nicht geschafft.

Eine kurze Passage aus dem Buch

„Was war das dann?
Weiß nicht. Kinder vielleicht?
Kinder sind heute Nacht durch den Wald gelaufen, um seltsame Löcher in meine Autositze zu stanzen?“
(Thomas Glavinic, Das Leben der Wünsche, Seite 141)

Infos zum Buch

Das Leben der Wünsche / Thomas Glavinic / dtv / 2011 / 320 Seiten / ISBN: 978-3423139830 / Preis: 9,90 Euro /

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  • Sechs Buchtipps für den Sommerurlaub von schonhalbelf

    […] nachträglich einen meiner ersten Artikel für diesen Blog geschrieben und es auch lobend in meiner Besprechung von „Das Leben der Wünsche” erwähnt. Ein wundervoller Roman, den ich von meiner ehemaligen Mitbewohnerin im Rahmen eines […]

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  • Im Juli 2011 erschüttern die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya Menschen weltweit. Sella fühlt sich in besonderem Maß betroffen, da die Tochter ihrer Nachbarn zu den Todesopfern gehört. Meine Gedanken zu diesem Roman findet ihr jetzt auf dem Blog. #schonhalbelf #vatermutterkim #eivindhofstadevjemo #luftschachtverlag (Unbeauftragte/unbezahlte Werbung)
  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich
  • Wohnen ist meinen Augen eines DER Themen (nicht nur)  meiner Generation. Traurigerweise stellt sich für die meisten gar nicht mehr die Frage, wie sie wohnen möchten, sondern viel mehr, wie und wo sie überhaupt noch wohnen können. Dieser Thematik widmet sich auch Svenja Gräfen in ihrem zweiten Roman „Freiraum“. Ich freue mich, wenn ihr den Blogpost dazu lest! #freiraum #svenjagräfen #ullstein #ullsteinfünf (Unbeauftragte Werbung)
  • Man kann nicht alles mögen. Dieses Buch zum Beispiel. Ich hatte durch eine vorangegangene Empfehlung recht hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt werden konnten (Begründung gibt's auf dem Blog). Wer von euch hat es auch gelesen und wie hat es euch gefallen? #schonhalbelf #alleswasichweißüberdieliebe
  • Ein wenig habe ich mich hier ja schon mit euch über den Roman ausgetauscht und nun gibt‘s meine ausführliche Meinung auf dem Blog. 🙋🏼‍♀️ #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #schonhalbelf
  • Seite 78 von 293 und ich kann es kaum abwarten, heute Abend weiter zu lesen. Nach „Das Rauschen in unseren Köpfen“ war für mich klar, auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen zu lesen. Auch „Freiraum“ handelt von der Liebe, viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten. #freiraum #svenjagräfen #schonhalbelf #ullstein (Unbeauftragte Werbung)

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