Gegenwartsliteratur

Bis zum Himmel und zurück von Catharina Junk

Nachdem Auf Null* (bzw. Liebe wird aus Mut gemacht) von Catharina Junk online auf großen Anklang gestoßen ist (warum habe ich das eigentlich immer noch nicht gelesen?), habe ich das Erscheinen ihres neuen Romans Bis zum Himmel und zurück genutzt, um mir auch mal ein Bild von der Autorin zu machen.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Katja ist Drehbuchautorin, schreibt für eine deutsche Krimiserie, auf die sie nicht stolz ist und lebt mit Ratko in einem beziehungsähnlichen Konstrukt auf der Hamburger Veddel. „Meistens übernachtet er auch hier. Andere Menschen machen das auch so und nennen es Beziehung.” (S. 22) Aktuell versucht sie, einen Auftrag für eine neue Familienserie zu erlangen – das Problem ist nur, dass diese noch nicht existiert und ihr nur wenige Tage für einen ersten Plot bleiben.

Aber wie schreibt man eine gelungene Familienserie, wenn die eigene nach dem Tod der kleinen Schwester ein Trümmerhaufen ist? Und als wäre das nicht schon genug Druck, steht plötzlich  auch noch ihre pubertierende Halbschwester vor der Tür, von deren Existenz sie bislang nichts wusste – und die mit aller Kraft versucht, Katja zu überreden, mit ihr nach Bremen zu fahren, um ihren gemeinsamen Vater im Krankenhaus zu besuchen. Zu dem Katja übrigens seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Das Chaos wird perfekt, als Katja ihren ihr bis dato ebenfalls unbekannten Stiefbruder Joost kennenlernt.

Wie war Bis zum Himmel und zurück?

In Bis zum Himmel und zurück habe ich mich direkt zuhause gefühlt – das mag einerseits daran liegen, dass die Protagonistin und ich viele Ähnlichkeiten haben und ich ihr dringendes Bedürfnis, immer gute Ideen zu haben und unbedingt noch schnell die Umsatzsteuervoranmeldung erledigen zu müssen, bestens nachvollziehen kann. Andererseits aber auch an Catharina Junks unkompliziertem, lebensnahen Schreibstil, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ihr Roman liest sich, als würde einem eine Freundin, die gut Geschichten erzählen kann, von ihren letzten paar Wochen berichten und einem erklären, warum sie keine Zeit hatte, sich zu melden. Am Ende hat man dann nicht nur viel über die vergangenen Tage, sondern auch über die Vergangenheit der Freundin erfahren.

Catharina Junk schreibt lakonisch und lebensnah, greift aber an den richtigen Stellen auch ordentlich in die Gefühlsschublade und sorgt dafür, dass die Geschichte dennoch ins Herz geht. Bis zum Himmel und zurück ist kein heiterer Frauenroman, falls das bislang irgendjemand gedacht hat – er geht wesentlich tiefer. Auch wenn es im Klappentext oder meiner Zusammenfassung anders wirkt, aber die Protagonistin ist eine einzige Baustelle: Sie steckt in einer Beziehung, die keine ist; sie ist von Versagensängsten und kreativem Druck geplagt, sie fühlt sich in ihrer Wohnung genauso wenig wie in ihrem Leben wirklich wohl, ist von Schuldgefühlen geplagt, trauert um ihre Schwester, hat keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater … jeder Psychotherapeut würde sich auf die nächsten 40 bewilligten Sitzungen der Krankenkasse freuen!

Aber genau das macht Bis zum Himmel und zurück aus: Catharina Junk behandelt schwierige Themen auf eine gekonnt natürliche Art. Ohne zu viel Drama, aber auch, ohne etwas zu beschönigen. Und, ganz wichtig, sie kombiniert die wahren Probleme der Protagonistin mit alltäglichen Situationen und Widrigkeiten – das ist es, was ihren Roman in meinen Augen so unglaublich authentisch macht.

Ich könnte mir Bis zum Himmel und zurück übrigens fantastisch als Hörbuch vorstellen, vielleicht ist da ja sogar schon etwas geplant?

Ein kurzes Zitat aus Bis zum Himmel und zurück

Das Bild bleibt unscharf, mein Gefühl dazu auch. Stattdessen tauchen Szenen von früher auf. Momentaufnahmen einer anderen Zeit. Ich sitze erstarrt in meinem Bett, und ein Ascheregen aus Erinnerungsfetzen rieselt auf mich nieder, bis alles schwarz geworden ist.

(Catharina Junk, Bis zum Himmel und zurück, Seite 33)

Infos zum Buch

Bis zum Himmel und zurück / Catharina Junk / Rowohlt / 2018 / 352 Seiten / ISBN: 978-3-463-40694-7 / Preis: 17,95 Euro / Jetzt online kaufen* /

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6 Comments
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6 Comments

  • Daniela | Livricieux

    Guten Morgen Inga

    Ich fand ja „Auf Null“ auch so richtig klasse. Und alle Punkte, die du hier beschreibst, treffen nämlich auch auf jenes Buch zu. Nun bin ich also noch viel neugieriger auf Catharina Junks neustes Werk. 🙂

    Grüessli, Daniela

    • schonhalbelf

      Hallo Daniela!
      In der Zwischenzeit habe ich mir „Auf Null” als Hörbuch angehört und kann dich nur darin bestärken, auch „Bis zum Himmel und zurück” zu lesen. Auch wenn es bei den Büchern inhaltlich um völlig verschiedene Dinge geht, tragen beide meiner Meinung eine sehr deutlich spürbare gemeinsame Handschrift und wenn dir „Auf Null” gefallen hat, wirst du mit ziemlicher Sicherheit auch „Bis zum Himmel und zurück” mögen.
      Liebe Grüße!

  • Neri

    Ein Buch, dass ich auch lesen mag. Danke für die Rezi.

    Neri

  • Juliana

    Schöner Buchtipp! Ich mochte „Auf Null“ sehr, sehr gerne. Ihre authentische Art war auch da auf jeder Seite spürbar. Genau so wie du es beschreibst. Bisher war ich noch nicht in der passenden Stimmung für ihr neues Buch, aber lesen möchte ich es auf jeden Fall!

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    • schonhalbelf

      Hallo Juliana,
      dankeschön! Ja, mache das – wie oben geschrieben habe ich „Auf Null” in der Zwischenzeit als Hörbuch gehört und bin mir sehr sicher, dass dir dieses hier auch gefallen wird, wenn du „Auf Null” auch schon sehr gerne mochtest.
      Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende!

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  • Im Juli 2011 erschüttern die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya Menschen weltweit. Sella fühlt sich in besonderem Maß betroffen, da die Tochter ihrer Nachbarn zu den Todesopfern gehört. Meine Gedanken zu diesem Roman findet ihr jetzt auf dem Blog. #schonhalbelf #vatermutterkim #eivindhofstadevjemo #luftschachtverlag (Unbeauftragte/unbezahlte Werbung)
  • „Manche Frauen betreten den Kreißsaal im Jahr 2019 und kommen im Jahr 1950 wieder raus.“ - ein Zitat, das nicht aus diesem Roman stammt, den Ausgangspunkt für die Geschichte jedoch ziemlich gut trifft. Alle Details zu „Jesolo“ von Tanja Raich findet ihr auf dem Blog. #schonhalbelf #Jesolo #tanjaraich
  • Wohnen ist meinen Augen eines DER Themen (nicht nur)  meiner Generation. Traurigerweise stellt sich für die meisten gar nicht mehr die Frage, wie sie wohnen möchten, sondern viel mehr, wie und wo sie überhaupt noch wohnen können. Dieser Thematik widmet sich auch Svenja Gräfen in ihrem zweiten Roman „Freiraum“. Ich freue mich, wenn ihr den Blogpost dazu lest! #freiraum #svenjagräfen #ullstein #ullsteinfünf (Unbeauftragte Werbung)
  • Man kann nicht alles mögen. Dieses Buch zum Beispiel. Ich hatte durch eine vorangegangene Empfehlung recht hohe Erwartungen, die aber leider nicht erfüllt werden konnten (Begründung gibt's auf dem Blog). Wer von euch hat es auch gelesen und wie hat es euch gefallen? #schonhalbelf #alleswasichweißüberdieliebe
  • Ein wenig habe ich mich hier ja schon mit euch über den Roman ausgetauscht und nun gibt‘s meine ausführliche Meinung auf dem Blog. 🙋🏼‍♀️ #dasverschwindenderstephaniemailer #joeldicker #schonhalbelf
  • Seite 78 von 293 und ich kann es kaum abwarten, heute Abend weiter zu lesen. Nach „Das Rauschen in unseren Köpfen“ war für mich klar, auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen zu lesen. Auch „Freiraum“ handelt von der Liebe, viel mehr aber noch von der Frage, wie, wo und vor allem mit wem wir in Zeiten von Luxussanierungen und Wohnungsknappheit leben möchten. #freiraum #svenjagräfen #schonhalbelf #ullstein (Unbeauftragte Werbung)

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