Rezensionen

Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe

Wer ist sie und wo war sie, „Die Frau auf der Treppe”? Ein in die Jahre gekommener Anwalt aus Frankfurt entdeckt während eines Aufenthalts in Sydney in einem Museum das Bild einer Frau, die eine Treppe hinuntersteigt. Das ist an sich nichts Besonderes – wäre das Bild nicht lange Jahre verschollen gewesen. Und würde er die Frau nicht persönlich kennen.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Während eines Aufenthalts in Sydney entdeckt ein gealterter Frankfurter Anwalt in einem Museum ein lange verschwunden gewesenes Bild. Es zeigt eine Frau, die eine Treppe herabsteigt – und mit der der Anwalt eine sehr persönliche Geschichte verbindet. Jahrzehnte zuvor sollte er einen ausgewachsenen Streit zwischen ihrem Ehemann und dem Maler des Bildes schlichten, verliebte sich dabei aber ebenfalls in sie.

Nicht nur für die Kunstwelt ist das Auftauchen des Bildes eine Überraschung, sondern auch für besagte drei Männer aus der Vergangenheit der Frau auf der Treppe, die übrigens Irene heißt.

An der australischen Küste kommt es zu einem Wiedersehen der drei Charaktere mit der sagenumwobenen Frau, die mittlerweile ein abgeschiedenes Leben führt. Lediglich einer von ihnen schafft es, sich ihr wirklich wieder anzunähern, doch das Glück soll nicht von langer Dauer sein.

Viel mehr als mit einem verschwunden Bild befasst sich „Die Frau auf der Treppe” aber mit dem Altern und der retrospektiven Sicht auf das Leben. Was macht das Leben rückblickend lebenswert? Welche Dinge und welche Entscheidungen haben wirklich gezählt? Was bereut man? Und was nicht? Wie fühlt sie sich wirklich an, die wahre Liebe? Und was passiert, wenn man sie vorbeiziehen lassen muss?

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Wie war’s?

Es war nach „Der Vorleser” erst mein zweites Buch von Bernhard Schlink und ich frage mich gerade, weshalb? Ich möchte und müsste noch viel mehr von ihm lesen und habe mir das so notiert.

Mir gefiel „Die Frau auf der Treppe” sehr gut. Ich empfand es als leise und ruhig, sprachlich angenehm und niveauvoll, aber nie unnötig verschwurbelt oder hochtrabend, sondern angenehm klar und gleichzeitig poetisch.

Bernhard Schlink schafft es, eine spannende, dramatische Geschichte mit einer angenehmen Gelassenheit zu erzählen, ohne auch nur eine einzige Minute zu langweilen.

Ganz nebenbei grast er elementare Fragen des Lebens ab und bietet dem Leser Antworten, ohne zu belehren oder zu stark beeinflussen zu wollen. Für diesen Roman gibt es eine Empfehlung meinerseits.

Eine kurze Passage aus „Die Frau auf der Treppe”

„Als ich im Bett lag, horchte ich auf das Rauschen der Wellen und Klirren der Kiesel. Es war schwach, ich konnte es kaum hören. Ich konnte auch den Atem des Hauses nicht hören. Es war eine eigentümliche Unruhe im Haus, als halte Irene Hände und Beine nicht still, als wälze Gundlach sich im Bett, als murmele Schwind im Schlaf und gehe der Pilot im Zimmer rauchend auf und ab. Als zittere das Haus, nicht vom Wind oder einem Beben geschüttelt, sondern unter der Last der Beherbergung der unverträglichen Menschen. Ich lag ganz still.”
(Bernhard Schlink, Die Frau auf der Treppe, Seite 167)

Infos zum Buch

Die Frau auf der Treppe / Bernhard Schlink / Diogenes / 2014 / 256 Seiten / ISBN: 978-3257243338 / Preis: 12,00 Euro /

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