Gegenwartsliteratur

Alles über Heather von Matthew Weiner

Auch wenn ich bei Mad Men irgendwann ausgestiegen bin, stand mein Entschluss schnell fest, dass ich Alles über Heather, den ersten Roman des Drehbuchautors Matthew Weiner, unbedingt lesen möchte.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Karen und Mark lernen sich auf einem Blind Date in New York kennen. Mark sieht nicht gut aus, hat aber eine gut dotierte Stelle in Aussicht, und letzteres ist dann auch schon das Argument, das Karen davon überzeugt, es zumindest einmal mit ihm zu probieren.

Nach der Hochzeit bekommen die beiden ein Kind: die makellose Heather. Sie ist fortan der Mittelpunkt der Familie; jedoch nicht so, wie es eben jedes Kind in gewisser Weise ist (oder zumindest sein sollte). Vielmehr wird sie durch die ungefilterte, geradezu obsessive Liebe ihrer Mutter erdrückt und stellt fortan geradezu den einzigen Gesprächs- und Gedankeninhalt ihrer Eltern dar, den es gibt.

Eines Tages wird vor dem schicken Appartement, das die drei bewohnen, ein Baugerüst errichtet – und mit ihm übermannt das Böse die Familie. Nicht mit dem Baugerüst, nein, sondern mit dem Tagelöhner Bobby, der Heather verfällt und sich in seine Fantasien hineinsteigert.

Mark erkennt schnell die Gefahr, in der seine Tochter schwebt (oder nur zu schweben scheint?) und handelt.

Wie war’s?

Dieser nur 144 Seiten starke Roman hat es in sich. Mit von Matthew Weiner bekannter Beobachtungsgabe und gewohnt ruhiger Erzählweise wird der Leser Zeuge eines geradezu psychopathischen Verhältnisses zwischen Eltern und ihrer einzigen Tochter, das in einer Tragödie endet.

Beim Lesen musste ich immer wieder an das Zitat: „Make it simple, but significant.” denken, das kein anderer als Don Draper in Mad Men gesagt hat. An dieses Zitat hat sich Weiner gehalten – mit nicht vielen, aber umso sorgsamer ausgewählten Worten und absolutem Scharfsinn hat er mit Alles über Heather einen starken Psychothriller geschaffen, an dem mich vor allem eins fasziniert hat: die Ruhe, die trotz aller Brutalität von dieser Geschichte ausging.

Nach dem Lesen selbst (ich habe es binnen eines Tages durchgelesen) empfand ich zunächst eine Art Leere. „Das soll es gewesen sein? Warum sind davon alle fast schon übertrieben begeistert?”, habe ich mich mehrfach gefragt. Doch je mehr Zeit vergangen ist – ich habe Alles über Heather bereits vor zwei oder drei Wochen beendet –, desto mehr muss ich mir eingestehen, dass die Geschichte mir seitdem keine Ruhe mehr lässt. Immer und immer wieder denke ich darüber nach, gehe die Szenen noch einmal durch und grübele, wie Mark nach diesem Ende weitergelebt hat.

Nach ein wenig Bedenkzeit kann ich also mit gutem Wissen eine Empfehlung aussprechen und könnte mir vorstellen, Alles über Heather noch einmal zu lesen. Ich bin der Meinung, dass dies ein Buch ist, das man beim zweiten Mal mit ganz anderen Augen liest und noch wesentlich empfänglicher für die Feinheiten und Vorankündigungen ist.

Ein kurzes Zitat aus Alles über Heather

Es ließ sich nicht länger übersehen, dass ein Tier in der Lobby war, die Lider schwer von gleichgültiger Gier, die Schultern vorgebeugt, angespannt und zum Sprung bereit. Marks Herz hämmerte, und er fragte sich, wie lange diese Kreatur noch vor seiner Schwelle lauern wollte, die sich mit nichts anderem zufriedengeben würde als mit seinem Kind.
(Matthew Weiner, Alles über Heather, Seite 121)

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Infos zu Alles über Heather

Alles über Heather / Matthew Weiner / Übersetzer: Bernhard Robben / rowohlt / 2017 / 144 Seiten / ISBN: 978-3-498-09463-8 / Preis: 16,00 Euro / Jetzt online kaufen* /

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