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Tim Winton – Schwindel

An den ersten kalten Tagen dieses Winters (ok, offiziell ist noch Herbst, aber es fühlt sich nach Winter an) habe ich mich mit „Schwindel” von Tim Winton unter die australische Sonne begeben.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Der einstige Umweltaktivist Tom Keely steckt in einer tiefen Krise: Aufgrund eines Skandals verliert er mit Mitte vierzig seinen Job und ruiniert seine Ehe. Alkohol und diverse Tabletten sollen ihm helfen, die Welt um sich herum und seine Probleme zu vergessen. Er lebt im Hochhaus Mirador in einer heruntergekommenen Hafenstadt in der Nähe von Perth und wird täglich mit Drogenhandel, Gewaltverbrechen und anderen Konflikten konfrontiert.

Eines Tages zieht überraschend seine Kindheitsfreundin Gemma in das Hochhaus ein – und sorgt unbewusst dafür, dass Tom eine neue Aufgabe in seinem Leben findet. Vor allem Gemmas sechsjähriger Enkel Kai, der aufgrund eines Gefängnisaufenthalts seiner Mutter bei Gemma aufwächst, setzt in Tom einen verloren geglaubten Tatendrang frei.

Wie war’s?

„Schwindel” von Tim Winton ist kein Roman, den man einfach liest. Man schmeckt ihn, man riecht ihn, man fühlt ihn und man atmet ihn. Selten habe ich ein Buch gelesen, das die Atmosphäre, die Gerüche und die Stimmung eines Orts so gut wiedergibt, dass man sich einbildet, neben dem Protagonisten hergetrottet zu sein. Ich weiß nur nicht, ob das positiv oder negativ ist – denn die Stimmung ist bedrückend, die Gerüche sind unangenehm und die Atmosphäre ist zum Bersten gespannt.

Ich habe mich schwer getan mit „Schwindel”. Wirklich eingefunden hatte ich mich ungefähr nach 250 Seiten und selbst dann fiel es mir nach den normalen Unterbrechungen immer sehr schwer, wieder in die Geschichte einzusteigen, weil mir alles und jeder extrem fremd war und bis zum Ende auch fremd geblieben ist.

„Schwindel” ist definitiv kein schlechtes Buch – die Geschichte beginnt an einem Punkt völliger Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, doch Tom Winton schildert mit außergewöhnlich intelligenter und kreativer Sprache den holprigen Weg in Richtung Hoffnung und lässt die Leser hautnah dabei sein, wie eine scheinbar verlorene Gruppe Menschen sich ihren Weg in ein Leben mit Perspektive sucht.

Alles in allem habe ich dennoch sehr lange an diesem Roman geknabbert und oft nicht die Muse gefunden, es wieder in die Hand zu nehmen – ich glaube, es liegt einfach daran, dass ich trotz all der positiven Eigenschaften des Romans keinen Zugang zu den Charakteren finden konnte.

Eine kurze Passage aus dem Buch

Er schwankte auf dem Gipfel seiner helleren Stimmung. Die Dunkelheit saugte an ihm. Aber die Abendluft war die reinste, salzige Gnade. So dicht am Wasser roch sie göttlich, fühlt sich barmherzig an. Und welchen Unsinn er sich auch einredete, wie schwach und falsch das positive Gebrabbel auch war, sobald man es mit der beschissenen Wirklichkeit verglich, die wunderbare, rettende Nacht beschlich ihn einfach.
(Tim Winton, Schwindel, Seite 57 f.)

Infos zum Buch

Schwindel / Tom Winton / Luchterhand / 2016 / 480 Seiten / ISBN: 978-3-630-87448-7 / Preis: 19,99 Euro /

schonhalbelf

  • Lotta

    Hey,
    ich finde das immer so schade, wenn man das Gefühl hat, dass einem ein Buch eigentlich gefallen könnte, man aber einfach keinen Zugang dazu oder zu den Charakteren bekommt. Mir geht das momentan häufig so, wenn ich Thriller lese. Früher habe ich unglaublich viel und gerne solche Bücher gelesen und heute langweilt es mich oftmals schon nach kurzer Zeit. 🙁
    Vielleicht ist es kein schlechtes Buch, aber es hat evtl gerade einfach nicht gepasst.

    Liebst, Lotta

    27. November 2016 at 23:29 Antworten

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