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Simon Beckett – Totenfang

Totenfang von Simon Beckett ist eine der Neuerscheinungen, die ich dieses Jahr am meisten erwartet habe – ich bin seit Beginn an Leserin der Reihe rund um Dr. Hunter und wurde damals von einer Freundin (F., sei gegrüßt) darauf aufmerksam gemacht, die „Die Chemie des Todes” zuerst verschlungen und dann mir in die Hand gedrückt hat. Ich hatte eigentlich abgespeichert, dass dieser Thriller sie dazu bewogen hatte, ihr Betriebspraktikum in der Pathologie des städtischen Krankenhauses zu machen, aber irgendwie kommt das zeitlich nicht hin – das Interesse muss doch schon vorher da gewesen sein.

Zurück zu Simon Beckett: Gewissermaßen ist es für mich ein echtes Phänomen, dass mir seine Reihe rund um Dr. Hunter so gut gefällt, wie mir seine anderen Thriller missfallen. Ich frage mich immer, ob sie wirklich von demselben Autor geschrieben sind – mit „Obsession” beispielsweise bin ich absolut nicht warm geworden. Auf Teil 5 der Dr. Hunter Reihe habe ich mich dafür aber umso mehr gefreut.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Eigentlich steht dem forensischen Anthropologen Dr. Hunter ein Wochenende mit Freunden in einem Ferienhaus bevor. Zum Glück kommt gerade noch rechtzeitig ein Anruf, der mit einem Auftrag für ihn verbunden ist. Er führt ihn in eine schwer zugängliche und nicht sehr einladende Moorlandschaft im Mündungsgebiet in Essex: An einer Flussmündung wurde eine stark verweste Männerleiche gefunden, die zunächst für den seit sechs Wochen verschwundenen Leo Villiers, den Sohn der einflussreichsten Familie der Gegend, gehalten wird. Die Frau, mit der ihm eine Affäre angedichtet wurde, ist ebenfalls spurlos verschwunden, sodass zunächst ein erweiterter Suizid im Raum steht – bis ein einzelner Fuß im Wasser gefunden wird, der weder Leo Villiers gehört, noch von seiner Affäre stammen kann …

Apropros finden: Eventuell findet Dr. Hunter im Rahmen der Geschichte ein weibliches Wesen, das sein Interesse weckt, obwohl es noch quicklebendig ist und nicht im Untersuchungsraum vor ihm liegt.

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Wie war’s?

Nicht nur Dr. Hunter, sondern auch Becketts Stil, den ich so mag, sind zurück! Mit „Totenfang” hat Simon Beckett wieder einmal bewiesen, dass er sein Handwerk wie nicht viele beherrscht und es schafft, mich scheinbar mühelos durch die immerhin 560 Seiten blättern zu lassen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Thrillern fand ich „Totenfang” absolut nicht vorhersehbar, sondern eine wirklich lange Zeit sehr rätselhaft und definitiv spannend bis zum letzten Satz. Auch wenn die Geschichte im Frühjahr spielt, ist „Totenfang” für mich ein perfektes Herbstbuch: Becketts eindringliche Beschreibungen der unwegsamen Moorlandschaft, im Kontrast zu denen des gemütlichen Ferienhauses, in welchem Dr. Hunter in der Zeit der Ermittlungen lebt, kombiniert mit einem spannenden Kriminalfall und der richtigen Prise an Nebenhandlungen (wie gesagt, es wartet amore auf Dr. Hunter) machen den Thriller für mich rundum perfekt und so, wie ich einen Thriller am liebsten mag.

Kleiner Hinweis zum Ende, ohne zu spoilern: Die letzten beiden Seiten schreien nach einer Fortsetzung – hoffentlich lässt uns Simon Beckett diesmal nicht wieder so lange warten.

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Eine kurze Passage aus dem Buch

Ich holperte über zerklüfteten Asphalt und parkte hinter verfallenen Austernschuppen neben dem dort bereits stehenden Polizeiwagen und einem Trailer. Als ich mit steifen Gliedern aus dem warmen Auto stieg, kam mir die kalte Morgenluft wie eine Eisdusche vor. Der Wind trug die klagenden Schreie der Möwe heran, vermischt mit dem Geruch verrottenden Tangs und dem erdigen Aroma von Schlick.
(Simon Beckett, Totenfang, Seite 23)

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Infos zum Buch

Totenfang / Simon Beckett / Übersetzerinnen: Sabine Längsfeld; Karen Witthuhn / Wunderlich / 2016 / 560 Seiten / ISBN: 978-3-8052-5001-6 / Preis: 22,95 Euro /

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  • Jana

    Ich liebe diese Reihe auch total! Will mir aber das Taschenbuch kaufen, denn die anderen Bände habe ich auch als Taschenbuch (sowas ich echt ärgerlich xD).

    12. November 2016 at 10:28 Antworten
  • Juliana

    Simon Beckett ist wie beispielsweise Cody McFadyen so ein Kandidat, bei dem ich wahnsinnig unentschlossen bin oder sogar fast abgeneigt bin die neuesten Bücher zu lesen. Ganz einfach aus dem Grund, weil es schon Ewigkeiten her ist, dass ich was von ihnen gelesen habe. Außerdem hatte ich bei beiden das Gefühl, dass sie damals mit ihren Fortsetzungen nachgelassen hatten. Die Chemie des Todes fand ich großartig, aber was danach kam, konnte nicht mehr so ganz mithalten. Deine Rezension liest sich jetzt aber doch ziemlich interessant…vielleicht muss ich es also doch nochmal überdenken!

    Viele liebe Grüße
    Juliana

    13. November 2016 at 13:21 Antworten
  • Ingrid

    Ich hab’s da liegen (geschenkt bekommen) und freue mich schon drauf. Auch ich fand nämlich, dass die Reihe immer besser wird.

    26. November 2016 at 12:12 Antworten

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