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Rezension: Elias Mattay – Der Bienenmann

Der Bienenmann ist für den Januar 2017 immerhin neben Das Umgehen der Orte schon das zweite meiner drei vorgestellten Neuerscheinungen im Januar – leider schaffe ich es bei Weitem nicht, immer alle Bücher auch zu lesen, die ich meiner monatlichen Neuerscheinungsrubrik vorstelle.

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Inhalt von Der Bienenmann kurz zusammengefasst

In einem idyllischen Seengebiet voller prachtvoller Villen herrscht Unruhe: Ein rätselhafter Täter, vermummt in Imker-Uniform, dringt scheinbar zusammenhangslos in die Häuser ein und treibt sein Unwesen.  Zunächst ermordet er die Frau eines angesehenen Architekten. Eine Weile später bringt er einen kleinen Jungen in seine Gewalt, tötet dessen Vater und verletzt dessen Frau so stark, dass sie in ein künstliches Koma versetzt wird. Im Rahmen der dritten Tat wird der Liebhaber einer Hoteliers-Witwe ermordet.

Aufgrund der räumlichen Ansiedlung der Tatorte und der Brisanz des Falls ermitteln zwei Polizei-Teams aus Berlin und Potsdam gemeinsam, um den „Bienenmann” aufzuspüren und den entführten Jungen zu finden. Da die Ermittler lange Zeit weder das Motiv noch eine Verbindung zwischen den Mordopfer finden können, ist der Fall lange Zeit ein einziges Rätsel.

Wie war’s?

Bis etwa Seite 200 ist mir der Einstieg nicht ganz leicht gefallen. Durch die Kooperation zweier Ermittlungsteams wird man als Leser direkt zu Beginn mit sehr vielen Charakteren konfrontiert, die es erstmal kennenzulernen und vor allem zuzuordnen gilt.

Die Geschichte an sich hat mich jedoch gereizt, sodass ich dran geblieben bin und wie es oft so ist: Ist man erstmal mit den Charakteren warm geworden, will man nicht mehr aufhören. Vielleicht hatte sich bei mir zu Beginn des Buchs einfach eine unterbewusste Müdigkeit, noch mehr neue Ermittlerteams und deren Eigenheiten kennenzulernen, ausgebreitet – die ist aber definitiv nicht dem Krimi selbst zu schulden.

Der Bienenmann verdient Lob, weil es gut konstruiert ist und eine intelligente Auflösung hat. Typischerweise würde hinter der Mordserie ein Hass auf Reiche stehen, wie er schon in vielen Krimis als Motiv diente, um Villen und atemberaubende Grundstücke als Orte des Geschehens integrieren zu können – nicht so in Der Bienenmann. Das Motiv ist wesentlich komplexer und für den Leser nicht mal nach Dreiviertel des Krimis zu erraten.

Wie viel Privates der Ermittler in Krimis einfließen sollte, ist ja nicht nur beim Tatort, sondern auch in niedergeschriebenen Kriminalgeschichten immer wieder ein Diskussionspunkt. Ich möchte mich da gar nicht festlegen, bei mir kommt es immer ganz auf die Ermittler an, wie viel aus deren Privatleben mich interessiert – sehr passend finde ich den Anteil Krimi:Privat beispielsweise bei der Reihe rund um Carl Mørck. Auch bei Der Bienenmann fand ich den Anteil genau richtig – nicht zu viel, aber mit einem privaten Schicksal und einer Liebesgeschichte (wobei das viel zu positiv klingt, es geht eher um das Gegenteil), die für ein wenig Unterhaltung abseits des Falls sorgen.

Insgesamt hat mir Der Bienenmann gut gefallen – bislang gehören die Ermittlerteams nicht zu meinen Lieblingen, aber der Fall ist gut konstruiert, liest sich angenehm, enthält keine logischen Fehler und hat es geschafft, mich 400 Seiten lang bei der Stange zu halten. Für mich ein solider, deutscher Krimi, der übrigens von einem Psychologen geschrieben wurde, der lange mit Strafgefangenen gearbeitet und sich mit wissenschaftlichen Fragen rund um das Thema Kriminalität befasst hat.

Eine kurze Passage aus Der Bienenmann

Und jetzt ein neuer Überfall, eine weitere Entführung auf der Berliner Seite des Sees. Ein Junge war verschwunden, sein Vater erschossen worden, die Mutter halb tot geschlagen. Die Parallelen zwischen den beiden Fällen waren offensichtlich. Schon wegen der auffälligen Maskierung als Imker.
(Elias Mattay, Der Bienenmann, Seite 38)

Infos zu „Der Bienenmann”

Der Bienenmann / Elias Mattay / Berlin Verlag / 2017 / 480 Seiten / ISBN: 978-3-8333-1084-3 / Preis: 12,99 Euro /

schonhalbelf

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