to top

Mehr Schwarz als Lila von Lena Gorelik

Nachdem ich über Die Listensammlerin viel Gutes gehört habe, habe ich gespannt zu Lena Goreliks neuem Jugendbuch Mehr Schwarz als Lila gegriffen. Vorweg: Es ist das erste Buch von Lena Gorelik, das ich gelesen habe, ich kann somit keine Vergleiche zu ihren anderen Veröffentlichungen ziehen.

lena-gorelik-mehr-schwarz-als-lila-schonhalbelf-buchkritik-rezension-kritik-empfehlung-tipp-buchblog
Hier geht's zum Buch

Inhalt kurz zusammengefasst

Vor mehreren Jahren habe ich mal an einem Text- und Konzeptionsseminar teilgenommen, in welchem eine Übung darin bestand, den Inhalt eines bekannten Films oder Roman in einem Satz wiederzugeben – die anderen Teilnehmer mussten auf Basis dessen das jeweilige Werk erraten. Diese „Übung” mache ich mittlerweile eigentlich vor jeder Rezension, um mir selbst darüber klar zu werden, was das Wichtigste ist, das in dem gelesenen Buch passiert ist. Aber mit manchen von ihnen klappt es einfach nicht, als letztes zum Beispiel bei Das Umgehen der Orte. Das war auch so ein schwieriger Fall. Genau wie Mehr Schwarz als Lila.

Ich probiere es dennoch. Der Inhalt in einem Satz ist für mich: Drei Freunde (zwei Mädchen, ein Junge) werden durch die Liebe auseinander getrieben – Ratte liebt neuerdings ein Mädchen, Paul liebt Alex, Alex liebt ihren Referendar, küsst aber aus Verzweiflung während eines Besuchs in der Gedenkstätte Auschwitz einen anderen (möchte nicht vorweg nehmen, wen), woraufhin die Situation eskaliert, weil jemand Alex und X. dabei fotografiert und das Foto online gestellt hat.

Und nochmal ausführlich: Alexandra, von allen Alex genannt, ist 17 Jahre alt, trägt ausschließlich schwarze Kleidung (Begründung: Sie mag kein Lila.) und ist in ihren Referendar verliebt, an den übrigens das gesamte Buch adressiert und dadurch in der pronominalen Anredeform geschrieben ist. Auch abgesehen von ihrer unglücklichen Liebe hat sie es nicht leicht: „Ich war sieben, gerade noch. Sie starb im Schlaf, habe ich dir das schon erzählt. Eine dieser Geschichten, über die Bücher für Jugendliche geschrieben werden, die man später in der Schule liest. Damit man nachdenkt über den Tod. Oder die verfilmt werden und das Halbwaisenmädchen wird dann in Großaufnahme gezeigt, wie es ihren Teddy an die Brust drückt, oder wie ihr eine Träne über die Wange läuft, oder so was, und bei der Beerdigung regnet es selbstverständlich. Die Zuschauer heulen dann. Frauen schluchzen laut. Ich schaue bei so einem Scheiß immer weg. (Lena Gorelik, Mehr Schwarz als Lila, S. 134)”

Halt geben ihr neben ihrem Vater und ihrem Papagei Astrid ihre Freundin Ratte und ihr guter Freund Paul. Alex, Ratte und Paul sind unzertrennlich und werden von ihrem immensen Wunsch nach Individualität zusammengehalten. Ausdruck verleihen sie diesem Wunsch immer wieder durch grenzüberschreitende „Spiele” – eins davon eskaliert schließlich während einer Klassenfahrt nach Polen. Mehr Schwarz als Lila dokumentiert das Auseinanderdriften dreier enge Freunde, weil die Liebe sich dazwischen drängt.

Wie war Mehr Schwarz als Lila?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mehr von diesem Jugendbuch erwartet habe. Die Handlung ist wie schon oben angedeutet eher dünn – ich verlange gar nicht, dass jeder Autor immer das Rad neu erfinden muss, absolut nicht, aber ich hätte mir insgesamt doch ein wenig mehr Substanz gewünscht.

Mit dem Stil konnte ich mich leider ebenfalls nicht anfreunden. Über die direkte Anrede des Referendars wäre ich hinweggekommen, aber all die abgehackten Sätze, Gedankensprünge und fast zusammenhangslosen, wiedergegebenen Gedanken waren mir in der Kombination einfach zu viel. Vor allem zu Beginn, beispielsweise während der Vorstellung der Charaktere, erschien mir die dokumentierte Jugendsprache bzw. -gedanken übertrieben.

Es ist wie immer Geschmackssache, andere finden den Stil vielleicht extrem spannend und die Handlung komplett provokant. Mir hat leider weder Stil gefallen, noch die Entwicklung der Geschichte. Gerade der Eklat gegen Ende schreit für mich nach: „Ich möchte ein Buch sein, das Jugendliche in Zukunft im Deutschunterricht lesen sollen.”

Schade! Dennoch möchte ich niemandem von Mehr Schwarz als Lila abraten – macht euch euer eigenes Bild und berichtet mir dann bitte. Andere Kritiken, die ich gelesen habe, sind sehr positiv ausgefallen, daher gibt es sicher einige, die mit diesem Jugendbuch mehr anfangen können, als ich. Meinen persönlichen Geschmack hat es diesmal leider einfach nicht getroffen.

Eine kurze Passage aus Mehr Schwarz als Lila

Je mehr, desto stärker ist eine Ellipse. Das heißt, man lässt etwas weg. Manchmal lässt man das Wichtige weg, um etwas zu betonen. Paul ist meine Ellipse.
(Lena Gorelik, Mehr Schwarz als Lila, Seite 12)

Infos zum Buch

Mehr Schwarz als Lila / Lena Gorelik / Rowohlt Berlin / 2017 / 256 Seiten / ISBN: 978-3871341755 / Preis: 19,95 Euro /

schonhalbelf

  • Juliana

    Eine interessante Rezension. Ich finde es schön, dass du so ehrlich bist! Manchmal muss das einfach sein, wenn es nicht den eigenen Vorstellungen entsprach. Von der Autorin habe ich ein anderes Buch noch ungelesen im Regal stehen. Die Listensammlerin ist es, meine ich. Mal sehen wann ich es lesen werde. Bisher war ich komischerweise noch nicht in der passenden Stimmung dafür.

    Viele Grüße
    Juliana

    21. März 2017 at 11:35 Antworten

Leave a Comment