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Rezension: Laura Lackmann – Die Punkte nach dem Schlussstrich

Punkte sind ein guter Aufhänger. In „Die Punkte nach dem Schlussstrich” ist Protagonistin Luzy nämlich an ihrem absoluten Tiefpunkt angekommen: Im Rahmen eines Streits bricht sie ihrem Noch-Freund Jonas mit Hilfe eines IKEA Regals den Arm und darf sich ihm fortan nur noch auf eine Entfernung von maximal 100 Metern nähern.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Luzy ist an ihrem Tiefpunkt angelangt: Während eines Streits mit ihrem Noch-Freund Jonas bricht sie ihm mit einem IKEA Regal den Arm. Nach der anschließenden Gerichtsverhandlung darf sie sich ihm nur noch auf eine Entfernung von 100 Metern nähern und muss Sozialstunden im „Verbrechercafé” ableisten – mit dem Verbot geht Luzy aber professionell um, indem sie sich einen Abstandsmesser kauft, um die 100 Meter genau einzuhalten.

Es folgt ein Rückblick auf Luzys sogenannte Beziehungen, die alle eins gemeinsam haben: Luzy hat sie nur geführt, um nicht alleine zu sein. Lückenlos. Denn bevor eine Beziehung wirklich vorbei war, stürzte sie sich direkt in die nächste.

Möglicher Auslöser dieser Kette und ihrer Verlustangst sind ihre beste Schulfreundin Sophie, die nach einem Auslandsjahr in Paris völlig verändert zurückkehrt sowie ihre Eltern, die Luzy nicht in einem Umfeld haben aufwachsen lassen, das man allgemein als intakt bezeichnen würde. „Dass Berlin in Ost und West geteilt war, wurde mir erst bewusst, als die Mauer fiel und meine Mutter ein kleines Stück davon an ihren Mantel pinnte. Dann kamen nach und nach immer mehr Steine ins Haus, denn meine Eltern zogen eine Wand in die Villa ein, um nicht mehr miteinander leben zu müssen. Damals war ich zehn, natürlich dachte ich, dass diese beiden Ereignisse – der Mauerfall und der darauf folgende Mauerbau bei uns zu Hause – in direktem Zusammenhang standen.” (S. 25 f.) 

Nach ihrer Apollo-, Peter- und Jonas-Zeit erkennt Luzy, dass in ihrem (Beziehungs-)Leben etwas mächtig falsch gelaufen ist: Sie ist stets der Liebe hinterhergerannt, ohne zu wissen, wie sie sich eigentlich anfühlt. Sie hat sich an Männer geklammert, die alles von ihr wollten, außer eine Beziehung auf Augenhöhe. Und nach dem Scheitern einer Beziehung die Fehler stets bei sich gesucht.

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Wie war’s?

„Die Punkte nach dem Schlussstrich” ist dramatisch und gleichzeitig wahnsinnig komisch – und wahnsinnig meine ich hier wortwörtlich. Luzys abstruse Gedankengänge und Handlungen sind beschämend, mitleiderregend und lustig zugleich.

Ich empfand das Lesen teilweise wirklich als nervenaufreibend. Laura Lackmann lässt Luzy mit Anlauf von einer Misere in die nächste rennen und den Leser an all den Gedanken der Protagonistin teilhaben, die sich andere Autoren aus Anstandsgründen sparen. Ich befand mich eigentlich permanent zwischen lautem Lachen und folgender Geste:


(GIF via giphy.com)

Doch genau diese schonungslose Offenheit macht den Roman aus und zu einem echten Erlebnis. Kritikpunkt meinerseits: Die teilweise sehr vulgären Ausdrücke und Passagen fand ich störend. Ich hatte den Eindruck, dass versucht wurde, übertrieben jugendlich und unbekümmert zu schreiben – das aber in einer so übertriebenen Art und Weise, dass es unauthentisch und auf mich störend wirkt.

Mein Fazit: Unterhaltsam, lustig und aufwühlend. Ein guter Unterhaltungsroman, aber keine Offenbarung oder zwingende Leseempfehlung meinerseits. Wer Lust auf das Thema und absurd lustige Passagen hat, wird bestens unterhalten; wer tiefschürfende Gedanken zu den Themen Verlust-, Bindungsangst und Liebe sucht, enttäuscht.

Eine kurze Passage aus dem Buch

„Plötzlich fing es in meinem Bauch an zu flattern. Aber es waren mit Sicherheit keine Schmetterlinge, sondern Motten. Viele Motten, die kopflos durch meinen Magen taumelten und gegen die Wände klatschten. Australische, giftige, riesige Motten, die Fleisch fressen. Solche, die mit ihrem Urin Löcher in Autolack brennen.”
(Laura Lackmann, Die Punkte nach dem Schlussstrich, Seite 39)

Infos zum Buch

Die Punkte nach dem Schlussstrich / Laura Lackmann / List / 2016 / 320 Seiten / ISBN: 978-3471351208 / Preis: 14,99 Euro /

Vielen Dank an den List Verlag für das Rezensionsexemplar!

schonhalbelf

  • Lotta

    Hallo 😀
    Ich habe dich jetzt sofort in meinen Feedreader eingespeichert. Das Buch hatte mich gereizt, als ich es in der Vorschau entdeckt habe und ich überlege noch es zu lesen. Vielleicht, wenn ich mal etwas Leichtes für zwischendurch brauche.
    Dein Blog ist wunderschön geworden. Ich liebe dieses Theme. (Ich hatte es mir auch angeguckt) und finde, dass es zu dir sehr gut passt.
    Jedenfalls sehr sympathisch.
    Hier werde ich jetzt öfter sein. 😉

    Liebst, Lotta

    11. Juli 2016 at 8:57 Antworten
  • Friederike

    Danke für den Tipp!

    Viele Grüße,
    Friederike

    12. Juli 2016 at 11:50 Antworten
  • Johanna P

    Nachdem ich es in deinem Neuerscheinungen-Post sah, packte ich es sofort auf meine Wunschliste und wenig später in der Buchhandlung meines Vertrauens in meinen Korb. Danke für die Rezension dazu. Mir ging es beim Lesen tatsächlich sehr ähnlich wie dir – viele Stellen zum laut auflachen, zum Haare raufen und zum totalen Fremdschämen. Mich hat der Schreibstil, besonders zum Ende hin, sehr an Sarah Kuttner erinnert…

    29. Juli 2016 at 13:51 Antworten

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