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Kino Preview von Jugend ohne Gott

Anfang Juli war ich zur Preview des neuen Films Jugend ohne Gott (startet am 31. August in den deutschen Kinos) eingeladen, worüber ich mich sehr gefreut habe – ich hatte mir den Film bereits Anfang des Jahres herausgepickt, weil der Inhalt für mich sehr vielversprechend klang und mich ein wenig an den Inhalt von Spieltrieb erinnerte. In diesem Artikel schildere ich euch meine Eindrücke und verrate euch, ob es sich lohnt, Jugend ohne Gott anzusehen oder nicht.

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(Quelle: Constantin Film)

Inhalt kurz zusammengefasst

In der digitalisierten Gesellschaft der Zukunft spielen Liebe, Moral und Menschlichkeit nur noch untergeordnete Rollen. Alles ist auf Leistung, Anpassung und Effizienz ausgerichtet. Frei nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth erzählt Regisseur Alain Gsponer in Jugend ohne Gott die Geschichte einer Gruppe von Schülern, die als Hoffnungsträger der Leistungsgesellschaft an ihre Grenzen stoßen. (Quelle: Presse-Newsletter)

Schauplatz des Films ist ein Hochleistungs-Camp in den Bergen, das dem Zweck dient, die hoffnungsvollsten Talente für einen Ableger der Rowald Universität, der angesehensten Uni er Welt, zu identifizieren. Der Auswahlprozess findet durch täglich wechselnde Aufgaben statt, für die die Camp-Teilnehmer Punkte erhalten. Eine noch nicht definierte Zahl von Jugendlichen erhält anschließend die Zusage für einen Platz an der Rowald Universität. (Eigener Text)

Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät… (Quelle: Presse-Newsletter)

Wie war Jugend ohne Gott?

Jugend ohne Gott erhält von mir definitiv eine Empfehlung. Die Schauspieler überzeugen zu 100 %, was bei einer Besetzung mit Jannis Niewöhner, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Anna Maria Mühe und Fahri Yardim keine große Überraschung ist. Besonderes Augenmerk verdienen in meinen Augen Anna Maria Mühe für ihre Performance als eiskalte Psychologin und Jannik Schühmann, der wie immer als Unsympath mit einem Hand zum Psychotischen brilliert.

Wesentlich mehr Überraschung hielt für mich die Erzählstruktur des Films bereit: Er beginnt ohne große Vorgeschichte direkt im Hochleistungs-Camp, führt die Charaktere ein und bringt die Handlung ins Rollen. Nach einer gewissen Zeit wird der Film jedoch zurückgespult und stellt die Geschichte aus Sicht einer anderen Person dar. Diese Vorgehensweise wieder holt sich noch einige Male, sodass man als Zuschauer mehr und mehr Fragmente und vor allem die Chance erhält, die Geschehnisse rund um den mysteriösen Todesfall aus mehreren Perspektiven zu erleben – jede addiert eine neue Sichtweise, aber auch neue Fakten hinzu, bis man als Zuschauer das gesamte Geschehen überblickt.

Nach dem Film habe ich einige Stimmen gehört, denen das Zurückspulen nicht gefallen hat, da es für sie den Film langatmig gemacht hat, das sehe ich allerdings überhaupt nicht so. Es ist richtig, dass man als Zuschauer einige Szenen mehrfach sieht, aber dadurch, dass die Perspektive jedes Mal eine andere ist und man immer wieder einen neuen Charakter begleitet, der vor und nach den wiederholten Szenen andere Dinge als die anderen Beteiligten erlebt hat, kam für mich zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf – jede Perspektive fördert neue Details zu Tage und verleiht dem Film eine tiefere Ebene.

Jugend ohne Gott basiert auf dem bereits 1937 veröffentlichten Werk des Schriftstellers Ödön von Horvath. Die große inhaltliche Parallele bei der stark modernisierten filmischen Version ist die Rolle eines Lehrers, der seine Schüler zu dem Assessment-Camp begleitet und im Laufe des Films seine bisherigen Wertvorstellungen hinterfragt. Um den Inhalt an sich zu modernisieren, wurde ansonsten jedoch eine große inhaltliche Änderung vorgenommen: Statt um Faschismus geht es um die moderne Leistungsgesellschaft und den mit ihr verbundenen Konkurrenzkampf, der in der Verfilmung par excellence abgebildet wird und zum Nachdenken anregt.

Infos zum Film

Jugend ohne Gott / Regie: Alain Gsponer / Drehbuch: Alexander Buresch & Matthias Pacht / die film gmbh in Co-Produktion mit Constantin Film / Kinostart: 31.08.2017 / 114 Minuten /

schonhalbelf

  • Neri

    Eine Film-Empfehlung, das ist toll, denn ich habe lange auf einen wirklich guten Kinofilm gewartet. Und dieser könnte mir tatsächlich gefallen.

    Neri, Leselaunen

    24. August 2017 at 14:15 Antworten
  • Saskia

    Das klingt wirklich toll! Ich habe diesen Film mit Spannung erwartet und deine tolle Kritik hat mich noch mehr getriggert!
    Liebe Grüße

    26. August 2017 at 22:55 Antworten
  • Lena G.

    Hey Inga,
    danke für die schöne Vorstellung. Auf diesen Film bin ich schon sehr gespannt!
    🙂

    27. August 2017 at 23:12 Antworten

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