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Der Dichter der Familie von Grégoire Delacourt

Nachdem Die vier Jahreszeiten des Sommers von Grégoire Delacourt im letzten Jahr sehr präsent war, wurde in diesem Sommer mit Der Dichter der Familie nachgelegt. Gelesen habe ich ersteres noch nicht, habe aber nach all den positiven Stimmen dazu beschlossen, mich an Der Dichter der Familie heranzuwagen – wer meine Posts schon ein wenig länger verfolgt, weiß, dass ich sehr gerne Romane über Schriftsteller oder Schreiberlinge anderer Art lese und in dieses Schema passt Delacourts neuer Roman natürlich bestens hinein.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Mama
du bist kein Lama
Papi
und du kein Okapi
Oma
du singst Paloma
Opi
alle machen Pipi
(Grégoire Delacourt, Der Dichter der Familie, S. 11)

Nach diesen Zeilen des siebenjährigen Édouard ist klar: Er ist ein Ausnahmetalent und der Dichter der Familie. Er wird eines Tages mit seinen niedergeschriebenen Worten Millionen von Francs verdienen und Millionen von Menschen mit seinen Worten zutiefst berühren – so denkt zumindest Édouards Familie.

Doch wie es immer so ist, hält das Leben ganz andere Pläne für Édouard bereit: Es geht bergab. Er lernt eine Frau kennen, die nur auf seinen Erfolg als Dichter / Autor und somit sein Geld spekuliert. Aus seiner schriftstellerischen Karriere will und will nichts werden. Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr geht es für seine Familie und ihn bergab.

Der scheinbare Durchbruch gelingt ihm, als er den Beruf des Werbetexters entdeckt, ohne jegliche Vorkenntnisse der Branche ein Portfolio erstellt und sich bewirbt. Ihm gelingt ein kometenhafter Aufstieg als Texter, wie er in der Branche wohl nur in den Achtziger Jahren noch möglich war: Mit 29 Jahren wird er zum Creative Director einer international agierenden Werbeagentur und verdient 1.000.000 Franc im Jahr.

Klingt nach einem glücklichen Ende? Nur so viel sei gesagt: Wäre das bereits das Ende des Romans, würde es hier nicht stehen – ich verrate euch doch nicht hier schon, wie die Geschichte ausgehen wird!

Wie war Der Dichter der Familie?

Wie man meiner kurzen Inhaltsangabe schon entnehmen kann, ist Der Dichter der Familie kein heiterer Roman, in dem über die Leichtigkeit des Seins sinniert wird – es geht um den ewigen Druck, den Erwartungen seines Umfelds gerecht zu werden, überdurchschnittlich viel zu geben, aber nichts zurückzubekommen.

Édouards Leben besteht aus einem langanhaltenden Kampf, sich das Leben aufzubauen, das von ihm verlangt wird. Als er es schafft, zumindest den monetären Ansprüchen gerecht zu werden, lebt er selbst am Ende in einer dunklen, feuchten Einzimmerwohnung und überweist sein sehr gutes Gehalt jenen, die der Meinung sind, es stünde ihnen zu. Ob ich den Protagonisten mag oder nicht, ist mir dennoch bis jetzt nicht ganz klar – ich tendiere jedoch zu einem Nein.

Trotz des eigentlich eher frustrierenden Inhalts ist Der Dichter der Familie ein lohnenswerter Roman, dessen Sprache und Humor mir gut gefallen haben. Vor allem das Ende beweist noch einmal, wie gefühlvoll Grégoire Delacourt mit Sprache umgehen kann und ermuntert mich, das Lesen von Die vier Jahreszeiten des Sommers noch nachzuholen. Insgesamt ein lesenswerter Roman, der mir mit Sicherheit noch länger im Gedächtnis hängen bleiben wird, mich aber auch nicht zu Begeisterungsausbrüchen bewegt hat.

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Eine kurze Passage aus dem Buch

Wenn man sehr klein ist, erlaubt die Länge der Arme es gerade, das Herz derer zu erreichen, die uns küssen. Wenn man groß ist, sie auf Abstand zu halten.
(Grégoire Delacourt, Der Dichter der Familie, Seite 126)

Infos zum Buch

Der Dichter der Familie / Grégoire Delacourt / Übersetzer: Tobias Scheffel / Atlantik / 2017 / 240 Seiten / ISBN: 978-3-455-40468-5 / Preis: 20,00 Euro / Jetzt online kaufen* / Verlagsinfo /

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