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Rezension: Dave Eggers – Der Circle

Der Circle – vor einigen Jahren sehr gehypt, aber bei mir war es ein klassischer Fall von: Ich habe so viele andere ungelesene Bücher, das lese ich bald. Aus dem bald wurden circa zwei Jahre und ich habe mir erst über Weihnachten ein Herz gefasst und es mit in den Koffer gesteckt.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Als Mae dank Mithilfe ihrer Ex-Kommilitonin Annie einen Job im begehrtesten Unternehmen der USA, dem „Circle” erhält, ist sie zunächst überglücklich. Von einem Standard-Job in ihrer Heimatstadt wechselt sie in das angesagteste und hippeste Arbeitsumfeld, das sie sich nur vorstellen kann.

Im „Circle” scheint es für alles eine Lösung zu geben und das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist höchste Priorität. Nach kürzester Zeit jedoch wird dem Leser klar, welche gefährliche Sogwirkung von der Unternehmenskultur ausgeht und sieht Mae auf den Privatsphäre-Super-GAU hinsteuern.

Arbeit und Privatleben vermengen sich immer mehr und der Überwachungsplan der Unternehmensführer erstreckt sich bei Weitem nicht nur auf die eigenen Mitarbeiter, sondern auf die gesamte Welt.

Wie war’s?

Die Erwartungen hängen natürlich hoch, wenn ein Roman bzw. eine Roman-Dystopie überall als „Schöne neue Welt reloaded” tituliert wird. Ich gehöre (wie laut Statistik ein Großteil der schonhalbelf-Leser) nicht nur zu den Digital Natives, sondern bin als Social Media Managerin auch beruflich sehr nah an der Thematik von „Der Circle” dran.

Nun habe ich es endlich gelesen und konnte mir meine eigene Meinung bilden, die im Übrigen etwas zwiegespalten ausfällt: Ja, die Geschichte ist gut und vor allem wichtig, um zu sensibilisieren. Ohne Frage. Aber: Nein, sie reicht nicht, um aus „The Circle” ein gutes Buch zu machen.

Aber von vorne: Dave Eggers hat eine Welt konstruiert, die als Warnung zu verstehen ist – und dies gelingt ihm überragend gut. Er erzeugt Spannung und den Willen, unbedingt so schnell wie möglich das Ende der Geschichte zu erfahren und einen gleichzeitig wachzurütteln und eigene Online-Gewohnheiten zu überdenken.

Um „The Circle” an dieser Stelle überschwänglich zu loben, gibt es aber in meinen Augen zu viele Komponenten, die mich stören. Es ist zu lang. Wirklich viel zu lang. Ich kann verstehen, dass gewisse Strukturen etc. ausführlich beschrieben werden müssen, keine Frage. Aber 560 Seiten hätte es definitiv nicht gebraucht.
Zweiter Kritikpunkt ist die Sprache – ich vermag nicht zu beurteilen, ob es an Eggers oder den Übersetzern liegt, aber es für mein Empfinden einfach nicht gut geschrieben. Glatt, langweilig und ohne jede sprachliche Kreativität. Schade.
Dritter Punkt ist die Protagonistin. Mir ist bewusst, dass es für ihre Entwicklung eine große Naivität unabdingbar ist, da die Geschichte sonst einen anderen Verlauf nehmen würde, aber im Großen und Ganzen fand ich sie als Person unerträglich und habe mich mehr und mehr von ihr distanziert. Auch das braucht es für den Verlauf, aber ich meine Antipathie war so ausgeprägt, dass ich irgendwann nur noch ungerne in das Buch zurückkehren wollte.

Mein Fazit: Wichtiger Inhalt, daher lesenswert. Die Sprache lässt leider zu wünschen übrig und 200 Seiten weniger hätten „The Circle” eher besser als schlechter gemacht.

Ich kann mir vorstellen, dass es sich für alle, die es noch nicht gelesen haben, eher lohnt, die Verfilmung anzusehen, die in diesem Jahr mit Emma Watson in der Hauptrolle in die Kinos kommen wird. Vielleicht gelingt es im Film besser, aus einer eigentlich wichtigen Thematik eine gute Geschichte zu machen, in der nicht immer auf alles mit dem Zeigefinger gedrückt und doppelt und dreifach erklärt wird, damit auch der letzte geistig abwesende Leser versteht, worauf der Autor hinaus möchte. Ich werde mir den Film ansehen, weil ich auf die Umsetzung sehr gespannt bin.

Eine kurze Passage aus dem Buch

Sie drückte die schwere Tür auf. Die Vorhalle war so lang wie ein Exerzierplatz, so hoch wie eine Kathedrale. Oben waren überall Büros, vier Etagen auf beiden Seiten, jede Wand aus Glas. Ihr wurde kurz schwindelig, und als sie nach unten blickte, sah sie in dem makellos glänzenden Fußboden ihr sorgenvolles Gesicht widergespiegelt. Sie spürte, wie jemand auf sie zukam, und formte den Mund zu einem Lächeln.
„Du musst Mae sein.”
(Dave Eggers, Der Circle, Seite 9)

Infos zum Buch

Der Circle / Dave Eggers / Übersetzer: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann / 2014 / 560 Seiten / ISBN: 978-3462046755 / Preis: 10,99 Euro /

schonhalbelf

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