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Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfen

Als ich von Ullstein fünf, dem jüngsten Verlagsprogramm der Ullstein Buchverlage las, war mir sofort klar, dass ich mindestens eins der neuen Werke lesen muss – die Wahl fiel auf Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfen. Eine einfache war es jedoch absolut nicht und es wird bestimmt auch nicht das letzte Buch sein, dass ich von Ullstein fünf lese. Wenn ihr euch für die anderen Veröffentlichungen interessiert, könnt ihr euch hier einen Überblick verschaffen.

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Inhalt von kurz zusammengefasst

In Lene, der Protagonistin aus Das Rauschen in unseren Köpfen, finden sich wohl viele wieder: Sie wächst behütet in einer Kleinstadt mit ihren Eltern, ihrem älteren Bruder Jaro und ihrer besten Freundin Hanna auf. Nachdem Lene und Hanna schon seit der Schulzeit von einer gemeinsamen WG in Berlin träumen, setzen sie ihren Plan schließlich in die Tat um.

In Berlin trifft Lene an einer Bahnstation auf Hendrik, gleich zweimal – das muss sein Zeichen sein. Aus einem spontanen Treffen werden zwei, drei und schließlich eine Beziehung. Ihr Glück scheint perfekt, bis Hendriks traurige Vergangenheit ihn einholt und das junge Paar auf eine harte Probe stellt: Lene hat ihr Leben komplett für Hendrik aufgegeben, Hendrik sucht in ihr Halt, den sie ihm nicht geben kann.

Parallel zum eigentlichen Handlungsstrang erzählt Gräfen zudem in zahlreichen Rückblicken aus der Kindheit und Jugend der beiden – beispielsweise davon, wie es Lene ergeht, als ihre beste Freundin Hanna und ihr Bruder Jaro plötzlich ein Paar werden und Lene, einst das Bindeglied zwischen den beiden, zur Statistin in ihren Leben wird. Mehr und mehr rollt sie außerdem auch Hendriks Geschichte auf, dessen Jugend nach einem schweren, familiären Schicksalsschlag nicht gerade von Glück geprägt war und ihn zu dem gemacht hat, der er jetzt ist – und das ist nicht immer einfach. Eigentlich nie.

Wie war Das Rauschen in unseren Köpfen?

Das Rauschen in unseren Köpfen ist für mich ein Roman, der mich schon nach den ersten paar Seiten dank seiner Sprache so gut abgeholt hat, dass ich mich nicht fühlte, als hätte ich ein neues Buch begonnen, sondern als wäre ich schon lange ein Teil der Geschichte – und das ist gut so.

Sowieso ein wichtiger Punkt: Svenja Gräfens Sprache hat mir wirklich sehr gut gefallen. Mit einer gewissen Vorsicht, immer aber auch einer großen Portion Kreativität und Beobachtungsgabe beschreibt sie so ehrlich und detailliert, dass ich jede Anspannung, aber auch all die positiven Gefühle dieses Romans eins zu eins nachempfinden oder aus eigenen Erinnerungen und Erfahrungen wieder abrufen konnte – die Autorin kitzelt die Gefühle gekonnt aus dem Leser heraus. Passenderweise habe ich, nachdem ich diesen Absatz geschrieben habe, in einem Interview mit Svenja Gräfen auf Edition F gelesen, dass sie „Geschichten schreiben will, in die man sich einfühlen kann.” – das ist ihr (bei mir) mit Das Rauschen in unseren Köpfen definitiv gelungen.

Natürlich behandelt dieser Roman kein neues Thema, sondern eins der ältesten der Welt: Junge trifft Mädchen, Mädchen trifft Jungen. Dieser uralte Plot hätte nicht so ewig überlebt, würde er nicht Unmengen Stoff hergeben, über den man immer und immer wieder erzählen oder singen kann – dabei nicht zu langweilen, ist die Kunst.  Und ich bin der Meinung, dass Svenja Gräfen das gelungen ist.

Zwischendrin hat mich Das Rauschen in unseren Köpfen immer wieder an Eva Lohmanns Bücher erinnert – nicht inhaltlich, sondern sprachlich. Wer Kuckucksmädchen und auch Acht Wochen verrückt ebenfalls so mochte wie ich, wird sich auch in Das Rauschen in unseren Köpfen zuhause fühlen.

Svenja Gräfen, ich will einen zweiten Roman von dir!

Eine kurze Passage aus dem Buch

In einem ganz langsamen Frühling bringt mich all das aus dem Gleichgewicht. Hendrik ist mir fremd. Da sind fehlende Puzzleteile und und so vieles, das neu und anders bewertet werden müsste, das plötzlich völlig andere Bedeutungen trägt. Da hat vieles die Einzigartigkeit verloren, und ich denke bei jeder Bewegung, bei jedem Wort, dass das schon einmal da gewesen ist, in anderen Kontexten und Räumen, in einer anderen Zeit. Dieses Gefühl, diese Fremdheit keimt in den ungünstigsten Momenten auf, schraubt sich die Wirbelsäule entlang wie eine ernstzunehmende Krankheit.
(Svenja Gräfen, Das Rauschen in unseren Köpfen, Seite 149)

Infos zum Buch

Das Rauschen in unseren Köpfen / Svenja Gräfen / Ullstein / 2017 / 240 Seiten / ISBN: 13 9783961010042 / Preis: 16,00 Euro / Jetzt online kaufen* / Verlagsinfo /

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schonhalbelf

  • Juliane

    Liebe Inga,
    eine schöne Rezension (meine kommt auch bald)! Mir hat das Buch auch unglaublich gut gefallen…bin immer noch ganz aufgewühlt. So sollten Debütromane öfter sein!
    Liebe Grüße
    Juliane

    10. Mai 2017 at 12:10 Antworten
  • Milena

    „Das Rauschen in unseren Köpfen“ mag ich auch unbedingt noch lesen. Deine Rezension hab ich total gerne gelesen und nochmal mehr Lust auf das Buch bekommen. Was mich an Büchern oft hält und überzeugt ist ein Aspekt, den du hier auch beschrieben hast: Dass man nicht ewig braucht um in der Erzählung anzukommen, sondern mit dem Anfang direkt hinein fällt, bzw. sich fühlt, als wäre man schon Teil von der Erzählung. Ich bin auf jeden Fall gespannt!
    Liebe Grüße,
    Milena

    10. Mai 2017 at 17:56 Antworten
  • Saskia

    Eine wirklich schöne Rezension. Klingt nach einem tollen Buch! Ich mag es auch sehr, wenn man förmlich mitfühlen kann bei einer Erzählung. Ich freu mich auf die Geschichte 🙂
    Liebe Grüße
    Saskia

    11. Mai 2017 at 22:15 Antworten
  • Nela | Livricieux

    Hallo Inga,
    eine tolle Rezension hast du geschrieben und so ein schönes Bild dazu! Auf jeden Fall hast du es geschafft, das ein weiteres Buch auf meine Wunschliste wandert.
    Herzlich, Nela

    16. Mai 2017 at 9:09 Antworten
  • Friederike

    Liebe Inga,
    ein Fun Fact (falls du es nicht schon längst herausgefunden hast) es ist nicht unwahrscheinlich, dass du du der Autorin schon mal in Karstens WG auf einer Feier begegnet bist. Sie hat mit ihm in S zusammengewohnt… LG
    Fine

    19. Mai 2017 at 21:26 Antworten
  • Neri

    Ich bin ganz verliebt in Deinen Blog ♥

    Neri

    20. Juni 2017 at 15:46 Antworten

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