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Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams

Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams habe ich im Rahmen meiner Recherche für die Buchneuerscheinungen im Juni entdeckt und bin seitdem darum herumgeschlichen. Das Covermotiv verspricht Leichtigkeit, die Inhaltsangabe eine Geschichte aus dem Hier und Jetzt über Themen, die wohl jeden, der zwischen 25 und 40 ist, beschäftigen.

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Inhalt kurz zusammengefasst

Eva, der etwas scheue Benedict, Sylvie und ihr Bruder Lucien, selbst ernannter Unternehmer, sind zu ihren Universitätszeiten Ende der Neunzigerjahre enge Freunde. Schon damals existiert eine Dreiecksgeschichte: Eva fühlt sich vom draufgängerischen Lucien angezogen, für den Frauen im Allgemeinen jedoch sehr austauschbar sind. Benedict wiederum ist von Eva fasziniert, bekommt aber in der luxuriösen Ferienvilla seiner Eltern, in die er Eva eingeladen hat, nur einen Fast-Kuss ohne jegliche Berührung zustande. Eins jedoch verbindet alle vier: der Glaube an eine schillernde Zukunft. Benedict möchte als Physiker bei CERN arbeiten, Sylvie wird von allen als aufstrebender Stern am Künstlerhimmel gesehen, Eva ergattert eine Trainee-Position bei Morton Brothers und wird nach einem Jahr als zur Junior Traderin für Zinsderivate befördert, Lucien sieht seine Zukunft als DJ und Club Promoter.

Nach Ende des Studiums streben die vier in verschiedene Richtungen, um ihre neuen Leben zu erobern. Schnell kommen sie in der Realität an – Wege kreuzen sich, um sich zu trennen. Vermeintliche Glückskinder scheitern immer und immer wieder an ihrem Schicksal, andere schaffen es durch harte Arbeit ganz nach vorne – überhaupt spielt neben den Themen Freundschaft und Liebe immer und immer wieder das Thema Geld eine zentrale Rolle.

„Na schön, du Klugscheißer. Was würdest du fragen?”
(…)
„Wie wäre es mit den Lottozahlen von nächster Woche?”, fragte Eva träge.
„Man müsste doch verrückt sein, um seine Frage für etwas derart Banales zu vergeuden.” Benedicts Antwort ließ Eva die Stirn runzeln. Mit einer Familie wie Benedicts im Rücken sagte es sich so leicht, Geld sei trivial, aber wenn man in einer Kleinstadt in Sussex mit null Glamour und reichlich schwerfälligem Konformismus aufgewachsen war, sah die Welt anders aus. (Alice Adams, Als wir unbesiegbar waren, S. 10)

So energisch die vier ihren Karrieren entgegenrennen, so weit entfernen sie sich mit der Zeit auch von einander. Nach und nach kommt jeder an seinem ganz persönlichen Tiefpunkt an, die jedoch alle miteinander ein Gutes haben: Sie führen die vier Freunde wieder zusammen – wenn auch in anderer Konstellation als damals im Studium.

Wie war Als wir unbesiegbar waren?

Alice Adams hat mit Als wir unbesiegbar waren einen wunderbaren Sommerroman geschrieben, der mir viel Freude bereitet hat und den ich vor allem in nur anderthalb Tagen gelesen habe. Mit Sicherheit hing das auch damit zusammen, dass sich der Roman wie ein wahrer Befreiungsschlag für mich angefühlt hat, nachdem ich mich zuvor mehrere Wochen mit Frühling 45 auseinandergesetzt habe.

In Als wir unbesiegbar waren begleitet man als Leser die vier unterschiedlichen Freunde Eva, Benedict, Lucien und Sylvie in einer Zeitspanne von 1995 bis 2015. Alle vier suchen nach dem Ende des Studiums (mit Ausnahme von Lucien, der erst gar nicht studiert hat) ihren Platz im Leben, der für alle vier nicht leicht erreichbar ist.

Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen, aber für mich hat Als wir unbesiegbar waren alles, was ein guter Entwicklungsroman benötigt. Bei mir kam an keiner Stelle Langeweile auf, die Lebensläufe der vier sind durchweg spannend, kreuzen sich immer wieder, entfernen sich wieder voneinander, führen aber alle zu einem Punkt: sie finden sich selbst und ihren Platz im Leben. Nicht zuletzt hat mich vor allem die Geschichte der beiden Königskinder des Romans bei Laune gehalten – filmreif, ja, aber für meinen Geschmack nie zu kitschig oder zu unrealistisch, sondern aus dem Leben gegriffen. Letztere sind übrigens die Worte, mit denen man zusammenfassend den gesamten Roman beschreiben kann: aus dem Leben gegriffen.

Und jetzt, wo ich eben filmreif geschrieben habe, könnte ich mir die Geschichte tatsächlich sehr gut als Film vorstellen. Es war sogar das erste, das ich über den Roman gesagt habe: „Er liest sich wie ein Film, den man unbedingt weitersehen möchte.”

Als wir unbesiegbar waren ist einfach alles im richtigen Maß: Ergreifend, aber ohne dramatisch zu sein. Emotional, aber nicht pathetisch. Mitreißend, aber nicht künstlich spannend. Ereignisreich, aber nicht unrealistisch.  In einfacher Sprache geschrieben, aber ohne trivial zu sein. Für mich ein perfektes Sommerbuch, das ich weiterempfehlen kann.

Eine kurze Passage aus dem Buch

„Nichts ist so geworden, wie wir es erwartet haben, oder?”, fragte Eva.
„Nein.”, Sylvie schüttelte den Kopf. „Mir war nicht klar, wie sehr sich alles verändern würde und wie wenig wir selbst in der Hand haben.”
„Wir haben uns unbesiegbar gefühlt”, sagte Lucien. „Damals, meine ich. Wir waren ja nicht blöd, ich wusste schon, dass das Leben nicht ewig so bleiben würde, aber ich habe es nicht wirklich gewusst, wisst ihr?”
(Alice Adams, Als wir unbesiegbar waren, Seite 327)

Infos zum Buch

Als wir unbesiegbar waren / Alice Adams / Übersetzerin: Eva Kemper / Dumont / 2017 / 336 Seiten / ISBN: 978-3-8321-9841-1 / Preis: 20,00 Euro / Jetzt online kaufen* / Verlagsinfo /

schonhalbelf

  • Die Vorleser

    Das hört sich nach einem tollen Buch an. Ich glaube allerdings, dass sich das Gefühl „wir sind unbesiegbar“ etwas geändert hat. Viele haben erst mal Angst keinen Job zu bekommen. Das Buch werde ich jetzt auf alle Fälle lesen.
    Liebe Grüße von den Vorlesern

    23. Juli 2017 at 10:04 Antworten
  • Saskia

    Das Gefühl, unbesiegbar zu sein, mit lauter Möglichkeiten, die sich vor einem auftun, kennen wahrscheinlich viele aus ihrer Jugend. Wenn sich dann das wahre Leben dazwischen schiebt, Träume zerplatzen und Wege nicht gradlinig verlaufen, kann man sich schnell frustriert und traurig fühlen. Es klingt, als würde dieser Roman all diese Gefühle passend auf den Punkt bringen und in eine mitreißende Geschichte verpacken. Bei mir landet das Buch auf jeden Fall auf der Liste 🙂
    Liebe Grüße

    23. Juli 2017 at 18:53 Antworten
  • Susanne

    Hallo Inga,
    ich bin durchs Bücherkaffee auf deinen Blog gestoßen und finde ihn total schön. Mir gefällt der Titel richtig gut. Bei deiner Antwort für Saskia stimme ich dir vollkommen zu. Das Leben verläuft oft nicht nach Plan. Aber dann wird es wenigstens nie langweilig. Wie hat John Lennon mal gesagt? Das Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen…
    Ganz liebe Grüße,
    Susanne

    25. Juli 2017 at 14:59 Antworten
  • Neri

    Das Buch steht nun auf meiner Want-To-Read-List! Ich habe es kürzlich entdeckt und freute mich deshalb umso mehr über Deine Rezension!

    Bei uns ist heute auch eine neue Rezension online gegangen. Wir freuen uns über Dein Feedback ♥

    Leselaunen

    25. Juli 2017 at 21:07 Antworten
  • Lena

    Bin über deinen Kommentar bei Journelles hier gelandet. Eine sehr schöne Rezension, wie ich finde. Habe nun Lust, den Roman zu lesen und er wandert schnell auf meine Wunschliste 🙂

    Liebe Grüße!

    4. August 2017 at 17:39 Antworten
  • -Leselust Bücherblog-

    Liebe Inga,
    Eine schöne Rezension hast du geschrieben. Ich habe das Buch selbst vor einiger Zeit gelesen und habe die 4 Freunde auch sehr gern durch ihr Leben begleitet. „Aus dem Leben gegriffen“ –das beschreibt dieses Buch wirklich sehr gut! Ganz so begeistert wie du war ich nicht von dem Buch. Aber es ist auf jeden Fall eine schöne Sommerlektüre.
    Liebe Grüße, Julia

    13. August 2017 at 19:24 Antworten

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